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PROF. DR. FREUD
17.4.21.
WIEN IX., BERGGASSE 193
Hochgeehrter Herr
Das »Dionysische Geheimnis« ist vor einigen Tagen bei mir angekommen. Schönen Dank dafür! Die treffliche Schilderung der Kriegsnöte habe ich gebührend gewürdigt,4 über den angehängten Endroman etwas den Kopf geschüttelt, vor allem aber der Stelle mein Interesse geschenkt, an der Sie die Gaben der Psychoanalyse als banal zurückweisen. Den Tiefsinn, den Sie in Anlehnung an Jung u einen mir noch unbekannten Philosophen an die Stelle des Dargebotenen setzen, konnte ich leider nicht verstehen.
Ihr vorher angelangtes Schreiben hatte mich verstehen lassen, daß Sie im Inhalt meiner »letzten kleinen Schrift«5 Anklänge an Ihre »Weltanschauung« gefunden haben. Leider scheiden sich dann bald unsere Wege. Das ungeduldig sehnsuchtsvolle Drängen nach einer Weltanschauung, die den Kämpfen der Menschenseele Versöhnung bringen, offenbar die Stelle der verloren gegangenen Religion einnehmen soll, ist mir ganz fremd. Ich fürchte bei dem heutigen Stande unserer psychologischen Einsichten u physikalischen Erkenntniße,