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Ich möchte von einem Erleben von Auflösung und Zerfall berichten, das für mich neu war - obwohl ich vor über 40 Jahren mit der Arbeit mit Psychotikern begann, »Verrücktheit« mir also nicht unvertraut ist. Ich werde so wenig wie möglich zur Patientin sagen, nur so viel:
Die Mutter der Patientin war alkoholkrank, wohl auch drogenabhängig, schwer depressiv, suizidal, versuchte mit der Schwangerschaft den Vater an sich zu binden. Der Vater flüchtete bald nach der Geburt, sah sein Kind alle paar Wochen. Das Lebensmotto des Vaters war, jede Form von Abhängigkeit (wie wir Psychoanalytiker dieses Wort verstehen) zu vermeiden. Entstanden libidinöse Gefühle, »tötete« (Begriff vom Vater) er sie vorsätzlich. Beide Eltern waren Künstler.
Die Patientin wuchs in einer Umgebung ohne Halt auf, nie wissend, wann die Mutter »verrückt« wurde, betrunken unansprechbar war, Suizidversuche unternahm. Es muss liebende Zuwendung gegeben haben, aber sie trat vollständig hinter dem Erleben, überleben zu müssen, zurück. Die Patientin wirkt wie ein Straßenkind aus der dritten Welt, auf der Suche nach (psychisch) Essbarem, immer damit beschäftigt, zu überleben. Selbstverletzendes Verhalten, Magersucht, Fresssucht etc. tauchten sehr früh auf.
Sie hat eine Fähigkeit, wie ich sie in dieser Ausprägung noch nie erlebt habe: Sie kann in die Seele eines Menschen, der sich bedroht fühlt, schauen, Röntgenaugen für das Innerste. Als es z. B. in einer Wohngemeinschaft, bei der sie zu Gast war, zu schweren Auseinandersetzungen mit einem psychisch