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Das geschilderte Erleben mit der Patientin ist eine sehr intensive Gefühlsübertragung, wie sie in Psychosen und psychosenahen Situationen berichtet wird. Benedetti (Todeslandschaften der Seele) nennt sie Osmose zwischen Patient und Therapeut. Der Gefühlszustand (in diesem Beispiel die Selbstauflösung) geht voll und ganz auf den Therapeuten über. Das ist noch keine Identifizierung und auch keine Symbiose. Ausgelöst durch ein verstärktes Involvement in einer Beziehung. Wie ich es gelernt habe, ist dieses Infiziertwerden in dem Gefühlszustand eine wichtige Fähigkeit der Durchlässigkeit, nicht einfach ein empathisches Verständnis. Die Wirkung ist so stark, dass ich als Leser sofort auch ergriffen wurde, nur noch an die Patientin denken konnte, alle anderen Tätigkeiten unterbrach. Besser: in diesen Zustand versunken bin.
In der Affektforschung ist das bekannt und untersucht: Die Affekte von Selbstgestörten (die Bezeichnung habe ich gerade gefunden) werden vom Zuhörer übernommen (Untersuchung mit EMFACS an Schizophrenen, nicht aber bei chronifizierten Wahnkranken; Steimer, 1996; Steimer et al., 1997).
Die Patientin gerät übrigens auch wie der Analytiker in den Zustand der Ansteckung: Sie erkennt die Lage anderer augenblicklich und kann dies kurzfristig therapeutisch ausnutzen, allerdings ohne dass dies ihr hilft.
Zur Szene: die Schockstarre mit abwehrender Hand ist wohl zu verstehen als Abwehr der starken Affektübertragung der Eltern? Der Mutter? Auf das Kind, des affektiven Mülls in das Kind. Dagegen versucht sie sich zu wehren. Möglicherweise auch gegen die Schläge.
Das ist bereits eine Überlebensstrategie des Kindes.
Der Preis ist die Stilllegung positiver Selbstimpulse.
Das affektive Sein, die Übernahme der affektiven Präsenz des anderen, so meint zum Beispiel Benedetti (1983), ist unabdingbar für die Entwicklung eines »Hilfssubjekts«.