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»Gibt es psychotische Träume?« Um uns dieser Frage zuzuwenden, müssen wir zunächst einmal herausarbeiten, was eine Psychose definiert. Der Wahn ist das Paradigma der Psychose. Nicht nur der manifeste oder sichtbare Wahn, sondern allgemeiner gesprochen ein wahnhafter Modus in der Beziehung zum Objekt, zur Welt oder zum Kosmos; und das sogar bei offenbarem Fehlen jeglicher wahnhafter Narration. Lautet die Frage also nicht eher »gibt es Träume, die von Wahn gefärbt sind?« Noch ein weiterer Schritt führt uns zu der Frage: »Gibt es einen träumerischen Wahn, einen, der gewisse Züge des Traums in sich trägt?«
Mir scheint, dass der Wahn sich wie eine Wahrheit präsentiert, wohingegen der Traum ein Kompromiss aus Dichtung und Wahrheit ist. Im Traum gibt es Ungewissheiten, Unschärfe; im Wahn wenige oder keine Leerstellen. Der psychotische Patient leidet nicht an einer Symbolisierungsschwäche, sondern hat große Probleme damit, die Leere aufzufüllen. Im Traum finden wir hingegen Brüche und eine Leere. Des Weiteren hat man angenommen, dass bei psychotischen Patienten die Fantasie einer Urszene fehlt, hier ist jedoch die Herkunft von anderer Natur: Es ist das Subjekt selbst, das sich an den Ursprung setzt, es ist in der Urszene selbst präsent wie auch am Beginn der Welt. Es versucht die Leerstellen des Rätsels vom Ursprung auszufüllen. Der Zugang zur Überlieferung ist jedoch beschädigt. Lesen, Hören, Sehen, Fantasieren und Träumen setzt voraus, die Leere in sich selbst zu akzeptieren. Die psychotische Art zu funktionieren neigt dazu, den Kontakt zur Leere zu blockieren. In der Tat, das Zulassen der Leere könnte alles mit sich fortreißen. Einen Ort im Inneren zu schaffen, wie es im Traum geschieht, bedeutet, sich auf eine Dekonstruktion einzulassen; und diese Dekonstruktion kann in die Destruktion abgleiten. Sich in die Nähe der Leere zu wagen, um lernen zu können und Neues ins Innere