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In der Neuen Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse nennt Freud in einer schillernd-knappen Definition das Verdrängt-Unbewusste ein »inneres Ausland« (Freud, 1933a, S. 62). Diese Formel ist wahrhaft paradox, da sie ihre eigene Unmöglichkeit bezeichnet. Denn wie kann ein Ausland, das per definitionem im Außen, jenseits der eigenen Grenzen liegt, sich zugleich im Inneren befinden? Noch anders gesagt: Wie kann ein Ausland im Inland ein Ausland sein? Doch genau diese Formulierung trifft das Wesentliche des psychoanalytischen Verständnisses des Unbewussten, das weder eindeutig Innen noch eindeutig Außen und damit ohne festen Ort ist. Die Atopie des Unbewussten macht es zwingend erforderlich, wenn ein therapeutischer Zugang zu ihm gefunden werden soll, dass sich der/die Psychoanalytiker:in selbst fremd, gleichsam zum/zur Ausländer:in machen und eine Position der Unsicherheit, des Zweifels und des Nicht-Wissens einnehmen kann. Doch eine solche Position ist eine, wie auch die unter der Rubrik »Bagatellen« in diesem Band vorgestellten »extremen« Behandlungssituationen ansatzweise zeigen, in der die Grenzen auf beängstigende Weise verschwimmen, sich das analytische Paar zwischen Leben und Tod oder in einem raumzeitlichen Feld bewegt, in dem es keine klaren Zuordnungen gibt.
Die Position der Ortlosigkeit umschreibt nicht nur die Erfahrung im psychoanalytischen Feld, sondern auch genau die der Jüdinnen und Juden in der nationalstaatlich verfassten Moderne und im »nationalen Antisemitismus«. Im Nationalismus werde, so der Antisemitismusforscher Holz (2010), in einem ersten Schritt in einer Zwei-Seiten-Form die eigene von der anderen, vorzüglich der feindlichen Nation unterschieden und abgegrenzt. Das Judenbild werde hingegen erst durch eine zweite Unterscheidung geschaffen: Es bilde die Negation dieser ersten Unterscheidung von