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In meinem Beitrag werde ich eine Reinterpretation von Susan Isaacs' Aufsatz The nature and function of phantasy (1948) vorlegen und hoffe, die epistemologische Bedeutung eines Konzepts aufzeigen zu können, das sich in fortlaufender Entwicklung befindet - ebenso wie die kleinianische Psychoanalyse kein abgeschlossenes Theoriegebäude ist, sondern »work in progress«, das sich an klinischen Erfahrungen orientiert.
Isaacs' Aufsatz ging bekanntlich aus den Controversial Discussions innerhalb der Britischen Psychoanalytischen Gesellschaft Anfang der 1940er Jahre hervor (vgl. King & Steiner, 2000 [1991]). Er stellt den Versuch dar, Sigmund Freuds Auffassungen zur unbewussten Phantasie mit den neuen Entdeckungen Melanie Kleins aus der Kinderanalyse in Verbindung zu bringen. Isaacs begreift darin die unbewusste Phantasie als »psychische Entsprechung des Triebes« und »Hauptinhalt der unbewussten seelischen Prozesse« (Isaacs, 1948, S. 81). Sie sieht in ihr jenes Element, das unseren Triebregungen, Vorstellungen und primitiven emotionalen Erfahrungen Leben und Bedeutung verleiht.
Wenn wir Isaacs' Text genauer betrachten, müssten wir vielleicht präziser formulieren: nicht Element, sondern Molekül. Denn es ist die Phantasie, welche die Elementarteile des Psychischen miteinander verbindet. Als Molekül können wir sie uns - wie etwa Ammoniak oder die Salze der Kieselsäure - als Tetraeder vorstellen, an dessen vier Eckpunkten unsere sensorischen Erfahrungen, unsere emotionalen Zustände, unsere Gedanken und