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Meinen Kommentar möchte ich mit einer Beobachtung beginnen: In Bernd Nissens Aufsatz »Ist das kleinianische Paradigma noch gültig?« (2022) wird die kleinianische Psychoanalyse ohne weitere begriffliche Unterscheidung sowohl ein »Paradigma« als auch eine »Theorie«. Titelgebend und textprägend ist die Bezeichnung als »Paradigma«, im Text selbst ist dann aber immer wieder die Rede von einer »Theorie«. Der unterschiedslose Gebrauch der beiden Termini weist, so lautet meine Hypothese, auf ein zentrales Problem in der Argumentation hin. Wenn ich Thomas Kuhn (1978), auf den sich Nissen zentral bezieht, richtig verstehe, ist ein Paradigma etwas anderes als eine Theorie und dieser systematisch vorgeordnet: Ein Paradigma umfasst einen allgemeinen wissenschaftlichen Erklärungsrahmen, und eine wissenschaftliche Theorie oder eine Hypothese kann entsprechend nur innerhalb dieses paradigmatischen Rahmens Geltung erlangen und überprüft werden (Inkommensurabilitätsthese: unterschiedliche Paradigmen sind untereinander nicht mit dem gleichen begrifflichen Maß zu messen). Bezogen auf die Psychoanalyse ließe sich das so fassen: Sigmund Freud hat mit der Formulierung der »Metapsychologie« und ihren verschiedenen »Gesichtspunkten« den paradigmatischen Rahmen abgesteckt, und innerhalb dieses Rahmens können sich unterschiedliche Theorien entwickeln - aber nur wenn und solange sie dabei auf ihren »Strukturkern« und einen ihm zugeordneten »Anwendungsbereich« bezogen bleiben. In diesem Falle sind sie kommensurabel und gleichsam mit dem Freud'schen Maß der Metapsychologie zu messen. Die Frage lautet mithin, ob es im Bereich der Psychoanalyse verschiedene Paradigmata überhaupt geben kann oder ob die Freud'sche Psychoanalyse selbst das Paradigma ist.