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Sigmund Freud war Neuerer, Revolutionär, vor allem Befreier der menschlichen Psyche von religiös-gesellschaftlichen Zwängen. Er war ein Enttabuisierer - speziell der Sexualität. Dies obgleich die einzelnen Bausteine für jeden zugänglich waren. Die Bibel ist voller Schilderungen menschlicher Sexualität. Zu Freuds Lebzeiten war freie Sexualität in dessen Wohnort Wien weit verbreitet. Meisterhaft schildert Arthur Schnitzler den Reigen des sexuellen Austausches aller Gesellschaftsschichten in der Donaumetropole. Zahlreiche Literaten und bildende Künstler aus Wien, Paris und anderen europäischen Städten taten es auf ihre Weise ebenfalls. Doch war der »offizielle« Umgang mit dieser Thematik in der bürgerlichen Gesellschaft bemerkenswert verklemmt. So blieb etwa Schnitzlers Reigen1 in der k. u. k.-Monarchie verboten.
Die Bedeutung von Träumen wird ebenfalls in der Bibel beschrieben. Es war das Geschäftsmodell Josefs. Über Jahrtausende haben die biblischen Träume Poeten, unter ihnen Thomas Mann, zu und bei ihren Werken inspiriert. Zudem machte Freud in seiner Sprachgebung deutlich, dass er sich auf die Mythen Hellas' und seiner Helden wie König Ödipus bezog.
Freud war ein Sammler von Antiken - nicht nur Scherben, sondern auch geistiger Überlieferungen -, aber auch von Gegenwärtigem. Er tat Mythen nicht als alte Geschichten ab, sondern verband sie mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft und gab der Analyse seine originäre Methode. So schwang er sich zum Propheten auf - nicht allein durch eine scharfsinnige Analyse, das wäre, wie er wusste, für eine neue Gedankenschule und ihre