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Meine erste Begegnung mit Sigmund Freud erfuhr ich in der Mittelstufe des humanistischen Gymnasiums im Religionsunterricht. Der Religionslehrer vermittelte uns jungen Gymnasiasten Freuds Strukturmodell der Psyche mit seinem Modell von Über-Ich, Ich und Es. Auch berichtete er von der Traumdeutung, den alltäglichen Fehlleistungen und deren Deutungen. Er schilderte uns Freud nicht polemisch als Feind der Religion, obgleich das ja für einen Religionslehrer nahe gelegen hätte. Es ging ihm nicht um die Vermittlung subjektiver (vielleicht sogar pietistischer) Frömmigkeit, sondern er wollte uns wirklich etwas beibringen. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Ich begann bereits in dieser Zeit Freud zu lesen: Zur Psychopathologie des Alltagslebens (1901b), Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (1916-17a [1915-17]), Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten (1905c). Letzteres hat mich schon immer als einen dem Humor zugeneigten Menschen besonders erfreut.
Freuds geschliffene, der Naturwissenschaft verpflichtete Sprache, seine scharfe Logik einerseits, seinen warmen, wertungsfreien menschlichen Ausdruck mit literarischen Qualitäten andererseits, haben mich hinsichtlich meines Leidens an Kindheit und Jugend nicht nur in der Adoleszenz fasziniert und getröstet, sondern ebenfalls im Erwachsenenalter.2 Sicherlich
Freud, 1916-17a [1915-17], S. 83
Ein spannendes und erhellendes Buch, das sich mit dem Unbewussten der Sprache, insbesondere der von Sigmund Freud, beschäftigt, sei herzlich zur Lektüre empfohlen: Goldschmidt, G.-A. (1999), Als Freud das Meer sah. Zürich: Ammann. Eine weitere Analyse der deutschen Sprache vor dem Hintergrund der Psychoanalyse bietet die Fortsetzung des genannten Buches: Goldschmidt, G.-A. (2006), Freud wartet auf das Wort. Zürich: Ammann.
habe ich damals vieles nicht kapiert, was ich da gelesen hatte, aber über die Jahre hin legte sich Baustein auf Baustein und mein Verstehen der menschlichen Psyche wächst bis heute.
Nach dem Abitur begann ich