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Der intuitiven Einsicht haftet die Aura des Besonderen, Wertvollen, ja unter Umständen sogar Unheimlichen an. Sie erspürt eine Wahrheit, die sich noch nicht offenbart hat. Im vorliegenden Band möchten wir der Frage nachgehen, welche Rolle die Intuition in psychoanalytischen Prozessen spielt. Wie können wir erfassen, was wir nicht wissen? Oder übersetzt ins Psychoanalytische: Wie können wir das Unbewusste (»Ungewusste«; vgl. Sandler, 2005, S. 349) erkennen? Bion (2005 [1963], S. 109) spricht von Vorahnungen (premonitions) als Vorläufer von Intuition, in denen sich unmittelbar beobachtete Gefühlszustände offenbaren und bedeutsam werden. Gibt es also im Gegensatz zur Nachträglichkeit so etwas wie ein »vorträgliches« Ahnen, einen Avant-Coup, der in die Zukunft weist?
Seit ihren Anfängen bewegt sich die Psychoanalyse bei ihrer Untersuchung des Unbewussten im Spannungsfeld zwischen Intuition und wissenschaftlich-rationalem Denken. Freud leitete mit großer Intuition aus seinen klinischen Erfahrungen revolutionäre theoretische Ideen ab, und fast ein Jahrhundert später »ringen wir (immer noch) darum, alle seine Intuitionen zu verstehen« (Matte Blanco, 1988, S. 36). Alle namhaften Psychoanalytiker1 nach Freud gewannen ebenfalls zu großen Teilen intuitiv auf Grundlage ihrer klinischen Erfahrungen neue Erkenntnisse - und tun dies weiterhin.