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In meinem Wartezimmer treffe ich auf eine mir bisher unbekannte Frau, die schlank und aufrecht auf der Stuhlkante sitzt und mich mit überwachen großen Augen anblickt. Sofort, noch bevor ein Wort gesprochen ist, schießt mir durch den Kopf: »Hier rast etwas aufeinander zu, Vorsicht! Das könnte einen Zusammenstoß geben.« - Wenig später sitzt sie mir gegenüber und beginnt das Gespräch mit der Erzählung von jenem schweren Verkehrsunfall mit Frontalzusammenstoß, der sie fast das Leben gekostet hatte. Er liegt Jahrzehnte zurück, präsentiert sich aber mit anhaltenden, bis ins Körperliche reichenden Reaktualisierungssymptomen einerseits, mit irritierenden Lücken der Erinnerung an das Geschehen andererseits als das Ereignis, das sie zu mir führt.
Dass ihre Erzählung mit meinem Einfall so frappierend übereinstimmt, macht es schwer, an einen Zufall zu glauben, und ich frage mich verwundert, wie so etwas möglich ist. Es ist, als bestünde unmittelbar eine besondere Verbindung zwischen uns. Unter diesem Eindruck biete ich ihr eine Analyse an, und die Patientin nimmt an, als spürte auch sie etwas davon. Bald aber erweist sich die Gewissheit, es sei dieses traumatische Unfallgeschehen, das sich im ersten Moment unserer Begegnung quasi telepathisch wiederholt habe, als Hindernis tieferen Verstehens, und zwar im gleichen Zug, wie die Überzeugung der Patientin, alle ihre Probleme seien auf den Unfall zurückzuführen, allmählich brüchig wird. Stattdessen zeigt sich nun eine andere Figur von Aufeinanderzurasen und Zusammenstoß: Sie ist sich auf einmal gewiss, ich hätte ihr eine Beziehung außerhalb der Therapie angeboten, möchte nicht mehr liegen, möchte die intensivere Verbindung durch den Augenkontakt, schreibt mir am Wochenende Botschaften, bringt Geschenke mit. Eine schwierige Situation: Ich möchte ihr helfen, den Raum, der sich ihr damit öffnet, nicht wieder zu verlieren, muss ihr aber doch Grenzen
setzen, muss den Rahmen schließlich explizit verteidigen und sie damit ent-täuschen.