You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Zahlreiche glaubwürdige Quellen beschreiben eindrücklich das Verhältnis Sigmund Freuds zu seinen Hunden. Besonders hervorzuheben ist bei diesen Schilderungen, dass der Entdecker der Psychoanalyse die Reaktionen seiner Hunde, sowie Phänomene, die zwischen seinen Hunden und seinen Patienten1 während der Sitzungen auftraten, in seine klinische Arbeit integrierte.
Wie weitreichend dies war, beschreibt das Hausmädchen der Familie Freud, Paula Fichtl, in ihren Memoiren.
Bei neuen Patienten spielte das Urteil des Hundes nämlich eine bedeutende Rolle: »Wen die Jofie nicht mag, bei dem stimmt auch was nicht«, so habe sich Freud geäußert, und sollte der Hund sich gar knurrend unter den Schreibtisch zurückgezogen haben, so hatte es die betreffende Person schwer, noch »Gnade« vor den Augen Freuds zu finden.
Und natürlich »hat die Jofie immer recht gehabt« - so berichtet es Paula Fichtl (Berthelsen, 1994, S. 34).
Der amerikanische Psychiater Roy Grinker war 1932 im Rahmen eines Rockefeller Fellowships in Analyse bei Freud und beschrieb später, wie dieser ungewöhnliches Verhalten seiner Hunde in Deutungen umwandelte: Kratzte Jofie beispielsweise an der Tür, um aus dem Analysezimmer
Im Folgenden wird der besseren Lesbarkeit halber die maskuline Form verwendet. Selbstverständlich sind sämtliche nichtmännliche Personen ebenfalls angesprochen.
herausgelassen zu werden, sagte Freud seinem Analysanden, dass Jofie sich nichts aus dem mache, worüber er gerade spreche; als das Tier dann später wieder zurückkam, deutete Freud dies so, dass Jofie dem Analysanden noch eine Chance gebe. In einer anderen Sitzung, in der Grinker intensiv mit seinen Gefühlen rang, sprang Jofie zu ihm auf die Couch. Freud deutete Grinker dies so, dass Jofie aufgeregt sei, weil er gerade die Wurzel seiner Angst entdecke (Beck, 2010).
Im Vorwort zu einem Buch, auf das gleich noch näher einzugehen sein wird, beschreibt Anna Freud, dass ihr Vater die Unterstützung durch seine Hunde bei buchstäblich jeder Analysesitzung