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Unter den Papieren von Marie Kann (1907-2011), einer Enkelin Josef Breuers, fand sich ein Schriftstück, das ihr Vater Leopold Robert (1869-1936) im Alter von 13 Jahren zum 36. Geburtstag seiner Mutter Mathilde niedergeschrieben hat. Was auf den ersten Blick wie das kindlich-naive Loblied eines Jugendlichen auf einen geliebten Vater anmuten mag, erweist sich bei näherer Betrachtung als erstaunliches Dokument, das es verdient, veröffentlicht zu werden:2
Meiner lieben Mama zum Geburtstageden 2. Septemper 1882GmundenBetrachtung über den Character meines Vaters.
Es giebt zwei Gesichtspunkte, von welchen aus man den Character meines Papas betrachten kann, und zwar in seiner Berufsthätigkeit als Arzt und dann - als Mensch. Ich will beide Seiten beleuchten, und
Mit Dank für Kritik und Anregungen an Johann Georg Reicheneder.
Es handelt sich um ein eigenhändiges Schriftstück, drei Seiten lang; die Handschrift ist lateinisch, penibel, mit wenigen Korrekturen; die Transkription erfolgt diplomatisch getreu. Die vereinzelten orthografischen Fehler wurden belassen. Grundlage ist eine Kopie des Dokuments aus dem Besitz von Marie Kann. Der Abdruck erfolgt mit der freundlichen Erlaubnis von Marilyn B. Kann, Berkeley, CA. Der Verbleib des Originals ist unbekannt.
gewiss wird diese Untersuchung zu seinen Gunsten ausfallen. Was seine Eigenschaften bezüglich der Ausübung seines Berufes betrifft, so begegnen wir in seinem ganzen Wesen und in allen seinen Handlungen der grössten Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue. Hat er doch schon in seiner Jugend alle seine Freunde durch seinen Fleiß und Eifer in Erstaunen gesetzt und für sich gewonnen. Immer war er der beliebteste Schüler seiner (seiner) Classe und zeichnete sich vor allen anderen aus. Besonders lobenswerth ist es, dass er trotz einer in seiner Jugend sehr schwachen Gesundheit sich während seiner Studienjahre beharrlich durchkämpfte und immer den ersten Preis errang. Alle, die seinen Vater kann-
[S. 2] ten, erinnern sich noch daran, wie