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Ich schiebe andere Dinge beiseite, klappe meinen Laptop auf, stelle ihn vor mich auf den Tisch und google: Porträt Sigmund Freud. Scheinbar aus dem Nichts erscheint auf dem Bildschirm das Bild des Arztes mit weißem Kragen, Uhrkette und einer Zigarre in der Rechten.
EIN STRENGER BLICK AUS EINEM ANDEREN JAHRHUNDERT TRIFFT MICH: WER RUFT MICH DA! DOCH NICHT ETWA DER, DER SICH EINST ALS JUNGER MENSCH OHNE WIRKLICHE KENNTNIS EIN VORSCHNELLES, FÜRWITZIGES BILD VON MIR MACHTE!
Zugegeben, von Freuds Entdeckungen wusste ich wenig. Junge, ein wenig kopflastige Mädchen meines Bekanntenkreises waren da weitaus belesener. Mich irritierte es, wenn sie sich auf Freud beriefen. Das Geheimnis, das mit Sinnen zu Erfassende, das Rätselhafte des Daseins, nicht die vordergründige Deutung waren mir wichtig, das Schauen, Leben und Erleben, das Berührtsein. Maler wollte ich werden.
Die Abwehrhaltung also, wenn man sich anschickte, alle Phänomene ins kalte minimierende Licht des Verstandes zu zerren. Freud, ein geiler Mann, meinte ich zu ahnen, dessen Weltbild durch sinnliche Bedrängnis bestimmt wurde und dessen Deutungen Gefahr liefen, Unterstellungen zu sein. Der Mann, der von sich auf andere schloss und dessen Nöte im vorgefundenen Menschenbild seiner Zeit offenbar nicht ausreichend Raum und Erklärung fanden. Ein Arzt mit einer Obsession, der möglicherweise
deshalb bestimmte Probleme seiner Patienten umso besser erkannte. Der Mann, dem es zu eng wurde im Übernommenem.
DER MENSCH IN DER ENGE, DER ANTWORTEN SUCHT, SIEHT MICH AN, SEIN EINES AUGE IM SCHATTEN.
Unsere Blicke begegnen sich.
Ja, die Bedrängnis als Herausforderung: Ohne Not geschieht wenig. Die Not schöpferischer Menschen: in eine Welt gestellt zu sein, die immer neue Rätsel offenbart, in der wir aber in überkommenen, oft verbrauchten, beengenden Bildern und Vorstellungen leben.
Künstler und Wissenschaftler aber sehen das noch nicht zu Fassende, die Bruchstellen und Ungereimtheiten im veraltenden Daseinsbild und suchen die neuen Bild