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Was ist Schmerz? Wie wird er wahrgenommen und verarbeitet? Wo ist sein Ort, und wie kann er im Rahmen einer Theorie des psychischen Apparats bestimmt werden? Diese Probleme stellen sich Sigmund Freud seit seinem Entwurf einer Psychologie von 1895, und über die Entwicklung seines Gesamtwerks wird er immer wieder und in den verschiedensten Zusammenhängen darauf stoßen, ohne sie jedoch einer abschließenden Lösung zuführen zu können. Der Beitrag verfolgt nach, wie sich das Phänomen des Schmerzes immer wieder quer zur Theorie stellt und zu Infragestellung und Revisionen zwingt. So zeigt sich, dass im Schmerz nicht ein Phänomen unter vielen, sondern das für die Ausbildung des Denkens und des psychischen Apparates ursprünglichste und wesentlichste zu sehen ist: Weil Schmerz die grundlegendste Form der Repräsentation unseres Körpers veranlasst und jede andere Repräsentation immer an den Körper gebunden bleibt, ist der Schmerz der sich dem Denken entziehende Urgrund des Denkens - ein »Jenseits« des Denkens, das uns unverlierbar an das Diesseits unseres Körpers erinnert. Die Notwendigkeit, überhaupt zu denken, beginnt mit dem Schmerz. Und wenn wir Schmerz denken, denken wir unseren Körper. In diesem Sinne ist es der Schmerz, aus dem sich das Denken und der gesamte psychische Apparat entwickeln.