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Im April 1991, also kurz nach der friedlichen Revolution in der DDR und der darauf folgenden Wiedervereinigung, aber auch im zeitlichen Umfeld der fremdenfeindlichen Brandanschläge in Hoyerswerda, Rostock, Solingen und Mölln, fand in Stuttgart eine internationale Tagung des Breuninger Kollegs zum Thema Antisemitismus statt, das von Werner Bohleber und John Kafka organisiert wurde und hochkarätig interdisziplinär besetzt war. Teilnehmer1 waren Dan Diner, Peter Loewenberg, Eberhard Jäckel, Elisabeth Brainin, Samy Teicher, Peter Neubauer, Gunnar Heinsohn, Detlev Claussen, Frank Stern, Arnost Lustig und Hermann Beland. Die Beiträge dieses Symposiums wurden ein Jahr später veröffentlicht (Bohleber & Kafka, 1992). Die Stuttgarter Tagung steht in einer Reihe von Symposien zum Thema Antisemitismus, die nach der Shoah unter wesentlicher Beteiligung von Psychoanalytikern stattgefunden haben und schlaglichtartig den jeweiligen Stand der Theoriebildung widerspiegeln. Zwei weitere dieser Veranstaltungen seien hier erwähnt:
Mitte Juni 1944, als das Ausmaß des nationalsozialistischen Mordes an den europäischen Juden langsam bekannt wurde, fand unter der
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde auf eine geschlechtsspezifische Unterscheidung verzichtet. Die verwendeten männlichen Personenbezeichnungen sind geschlechtsneutral zu verstehen.
Leitung des Psychoanalytikers Ernst Simmel das Psychiatric Symposium on Anti-Semitism in San Francisco statt. Die hier gehaltenen Vorträge wurden 1946 unter dem Titel Anti-Semitism. A Social Disease (Simmel, 1946a) als Buch veröffentlicht, das schnell zum Klassiker der Antisemitismusforschung avancierte. In dem von Simmel herausgegebenen Band (dt. Ausgabe Antisemitismus [1993a]) sind die Aufsätze namhafter, zumeist emigrierter Sozialphilosophen und Psychoanalytiker versammelt (Theodor W. Adorno, Bernhard Berliner, Otto Fenichel, Else Frenkel-Brunswik und R. Nevitt S