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Überraschende Momente sind oft entscheidende Wendepunkte in analytischen Behandlungen. Wie allgemein bekannt, ergaben sich aus Freuds offener Haltung gegenüber dem Unvorhersehbaren die freie Assoziation und die gleichschwebende Aufmerksamkeit als Grundpfeiler der analytischen Vorgehensweise. In Ratschläge für den Arzt bei der psychoanalytischen Behandlung erwähnt er explizit, dass »jene Fälle am besten [gelingen], bei denen man wie absichtslos verfährt, sich von jeder Wendung überraschen läßt, und denen man immer wieder unbefangen und voraussetzungslos entgegentritt« (Freud, 1912e, S. 380). Später unterstrich Bion mit »No memory, no desire, no understanding« diese Grundhaltung. Die Fähigkeit, sich zu erinnern, was der Patient gesagt hat, muss sich auf dialektische Weise mit der Fähigkeit, dies zu vergessen, verbinden, damit - in Bions Worten - »die Tatsache, daß jede Sitzung eine neue Sitzung ist und deswegen eine unbekannte Situation, die psychoanalytisch untersucht werden muss, nicht durch einen bereits überreichen Vorrat an Vor- und Fehlurteilen verdunkelt wird« (Bion, 1990 [1962], S. 87-88). Auch Winnicotts Überlegungen ist die Fähigkeit, überrascht zu sein, inhärent: »Wenn wir überrascht sind über uns selbst, sind wir kreativ, und wir entdecken, daß wir unserer eigenen unerwarteten Originalität trauen können« (Winnicott, 1970 [1986], S. 51). Die von ihm entwickelte Squiggletechnik imponiert als Inbegriff eines Sich-gegenseitig-überraschen-Lassens.
Nach Robinson »[geht] der Schock des Neuen […] in jedem Fall von etwas Überraschendem [aus]«, das uns in der Begegnung mit dem Unbewussten entgegentritt. Es liege »in der Natur des überraschend Neuen, dass es eher eine Zumutung als eine Ergänzung zu dem ist, was wir bereits zu verstehen glauben« (Robinson, 2023, S. 114). Dabei gilt es, sowohl die
Zumutung der Begegnung mit dem eigenen Unbewussten als auch mit dem Unbewussten des Gegenübers auszuhalten. Ebenso wenig, wie man sich selbst einen Witz erzählen