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Wenn wir an Raum und Zeit denken, denken wir sie wahrscheinlich stillschweigend und selbstverständlich als vor aller Erfahrung bestehend, räumlich dreidimensional Körper enthaltend und zeitlich linear-vektoriell ablaufend. Vielleicht stolpern wir über die Frage, ob der Raum auch ohne Körper existiert oder erst durch die Körper wird (vgl. Zekl, 1992, S. 67ff.). Das heißt aber, Raum und Zeit sind in unserem Erleben durch das Realitätsprinzip und den Sekundärprozess, also durch das System Bw, bestimmt. Alles andere würde unsere psychische Gesundheit bedrohen.
Das Unbewusste schert sich aber wenig darum. Freuds Beobachtungen sind im Kern bis heute gültig:
Freud (1915e) schreibt zum Thema »Zeit«: »Die Vorgänge des Systems Ubw sind zeitlos, das heißt sie sind nicht zeitlich geordnet, werden durch die verlaufende Zeit nicht abgeändert, haben überhaupt keine Beziehung zur Zeit. Auch die Zeitbeziehung ist an die Arbeit des Bw-Systems geknüpft« (S. 286). Die Zeitlosigkeit des Unbewussten wird von Freud hier ex negativo relational zu einem vektoriellen, chronologischen Zeitbegriff definiert, wie er im System Bw existiert.
In einer der wenigen Stellen, in denen er explizit auf Kant und dessen Auffassung von Zeit und Raum eingeht, bemerkt Freud (1920g):
»Ich gestatte mir an dieser Stelle ein Thema flüchtig zu berühren, welches die gründlichste Behandlung verdienen würde. Der Kantsche Satz, daß Zeit und Raum notwendige Formen unseres Denkens sind, kann heute infolge gewisser psychoanalytischer Erkenntnisse einer Diskussion unterzogen
Page 161werden. Wir haben erfahren, daß die unbewußten Seelenvorgänge an sich »zeitlos« sind. Das heißt zunächst, daß sie nicht zeitlich geordnet werden, daß die Zeit nichts an ihnen verändert, daß man die Zeitvorstellung nicht an sie heranbringen kann. Es sind dies negative Charaktere, die man sich nur durch Vergleichung mit den bewußten seelischen Prozessen deutlich machen kann. Unsere abstrakte Zeitvorstellung scheint vielmehr durchaus von der Arbeitsweise