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Dieser Beitrag setzt im fünften Jahr einer Psychoanalyse ein, die fast ein Jahrzehnt gedauert hat. Julie liegt auf der Couch, wie sie es viermal in der Woche tut, und spricht über ihre Unzufriedenheit. Sie begann die Behandlung in der späten Adoleszenz, in jener Phase, die nicht mehr Kindheit, aber auch noch nicht Erwachsensein ist, an der Schwelle zwischen der geschützten Sicherheit ihres Vorstadt-Elternhauses und ihrer Universität sowie dem Eintritt in die Welt. Heute ist sie in dieser Welt, aber auch nicht in der Welt. Bei außerordentlicher Intelligenz ist sie nicht in der Lage, ihre intellektuellen Stärken so einzusetzen, dass sie ihr nützen. Sie hat Liebesbeziehungen, aber keinen Partner, der bleibt. Auch hat sie eine Reihe von Jobs ausprobiert, wurde jedoch entweder entlassen oder hat selber nach kurzer Zeit aufgegeben. »Es gibt einfach so viel im Leben, was ich nicht verstehe«, sagt sie. Sie kann nicht produktiv sein und verbringt die Tage meist in ihrer Wohnung. Manchmal starrt sie buchstäblich die Wände an. Auf der Couch erklärt sie mir das vertraute Gefühl, darauf zu warten, dass ihr Leben beginnt; dass sie von dem, »was auch immer das ist«, in ihr eigentliches Leben eintreten wird, in das, das sie leben will.
Im Laufe der Jahre unserer Arbeit bin ich zu der Einschätzung gekommen, dass Julie auf einem Borderline-Niveau organisiert ist. Trennungen fielen ihr extrem schwer, und sie sprach von einem riesigen Reservoir an Bedürfnissen, die, wie sie befürchtete, jede Person, die ihr nahe kam, überwältigen müssten. Diese Erfahrung hatte sie mit beiden Eltern gemacht, die ihr zwar zugewandt zu sein schienen, aber nicht von ihr gestört werden wollten. Teure Safaris in Afrika und Fahrradtouren durch Chile vermittelten das Bild einer wohlhabenden Familie, die im Rahmen dieser perfekten Reisen keine »Zeit« hatte, um über ihr Leben zu sprechen, die keine Intimität
teilte. Warum sollte sie schwierige Themen ins Feld führen, wenn es doch Löwen zu sehen und Berge hinau