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Beziehen wir uns im Editorial meist zentral auf Sigmund Freuds Werk, wenden wir uns mit den Beiträgen unseres Bandes diesmal einer Leerstelle darin zu: der Schwangerschaft. Freud erwähnt die Schwangerschaft durchaus: Sie taucht in seinen Arbeiten im Zusammenhang mit Sexualität, Träumen, Phantasien, Ängsten (1901b, S. 71; 1916-1917a [1915-1917], S. 276; 1923d [1922], S. 335; 1933a, S. 26) und hysterischen Symptomen auf (1905e [1901], S. 265f.; 1912g, S. 433), aber auch in seinen Überlegungen zu dem Erleben des Kleinkindes angesichts seiner schwangeren Mutter (1917b, S. 24; 1920a, S. 290). Zudem findet sie bei ihm in Verbindung mit Krankheit und Tod Erwähnung (1900a, S. 123), was an die zu seinen Lebzeiten hohe Sterblichkeit von Mutter und Kind unter Schwangerschaft und Geburt denken lässt. Eine Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper selbst, seiner Entwicklung und Bedeutung, seinen Fortpflanzungsfunktionen, der Menstruation, den körperlichen Veränderungen in einer Schwangerschaft, auch mit Fragen der Mutterschaft und dem Stillen, gibt es bei Freud jedoch nicht. Zudem blieb seine Theoriebildung im Hinblick auf die psychosexuelle Entwicklung der Frau an der des Mannes orientiert (vgl. Cassel-Bähr, in diesem Band; Hegener, 2020).
Es waren in den 1920er Jahren zunächst die Psychoanalytikerinnen Karen Horney und Helene Deutsch, in den 1950 und 1960er Jahren dann z. B. Grete Bibring und Maria Langer, später u. a. Ruth Lax und Joan Raphael-Leff – die in den 1990er Jahren das Committee on Women and Psychoanalysis (COWAP) der IPV gründete -, die mit den Themen weiblicher Körper, Schwangerschaft und Mutterschaft befasst waren. Theoretisch und klinisch bedeutsam waren weiter die Beiträge der feministisch akademisch tätigen Psychoanalytikerinnen Nancy Chodorow, Juliet Mitchell, Rosemary
Balsam und anderer (vgl. Balsam, in diesem Band). Im deutschsprachigen Raum wandten sich in den letzten Jahrzehnten die Psychoanalyti