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Während meiner Ausbildung zum Psychoanalytiker bekam ich die Gelegenheit, die gleiche Behandlungsstunde in zwei verschiedenen Fallseminaren vorzustellen - mit ganz unterschiedlichem Ergebnis. Dass unterschiedliche Seminargruppen mit demselben klinischen Material unterschiedlich umgehen, wäre nicht weiter erwähnenswert. Diese kleine Arbeit interessiert sich für den Einfluss, den Fallseminare im Rahmen der Ausbildung auf die Entwicklung einer psychoanalytischen Identität haben (vgl. Morbitzer, 2015).
Die Stunde, die ich vorstellte, enthielt ein Enactment von mir:
Ein Patient berichtet von einem Telefonat mit seiner Mutter. Sie habe ihm von ihrem Problem erzählt, dass die Schwester des Patienten in die große, vermietete Eigentumswohnung der Mutter ziehen wollte und die Mutter daraufhin den Mietern wegen Eigenbedarf gekündigt habe. Die Schwester sei eingezogen, habe dann aber befunden, dass die Wohnung für sie zu groß sei, sie nicht so viele Zimmer benötige und daher nur die halbe Miete zahlen werde. Die Mutter konnte der Tochter diesen Wunsch nicht abschlagen und schilderte dem Patienten nun ihre Not, weil ihr der halbe Mietzins als Einnahme fehle.
Diese Geschichte trägt mir der Patient recht neutral vor. In mir entsteht zunehmend Druck, das Problem der Mutter unbedingt lösen zu müssen. Ich stelle konkrete Fragen zur Wohnung, zur Raumaufteilung, zur finanziellen Situation, und das Ganze mündet schließlich in meinem Vorschlag, die Wohnung, die auf zwei Ebenen verteilt ist, zu trennen, eine Wand einzuziehen,
die Tochter die eine Hälfte bewohnen zu lassen und die andere Hälfte erneut zu vermieten.
Ich spürte zwar schon in der Stunde vage, dass ich mich verrannte, konnte aber dennoch nicht davon lassen, das Problem der Mutter lösen zu wollen. Beim Protokollieren der Stunde für das anstehende Seminar war mir die Sitzung peinlich, und ich spielte kurz mit dem Gedanken, stattdessen eine andere Stunde vorzustellen, die mir weniger unangenehm war. Ich entschied mich dann aber d