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Aus der psychiatrischen Klinik in Jena (Geh. Rat Prof. Dr. O. Binswanger).
Die Kranke, um die es sich hier handelt, wurde mir am 29. Mai 1907 von meinem Onkel, Herrn Geheimrat Binswanger in Jena übergeben, mit dem Rate, bei ihr die psychanalytische Methode Freuds anzuwenden. Ein ziemlich schwerer Fall von Hysterie, der seit Februar 1907 in der Behandlung meines Onkels stand. Die Tatsache, daß die Kranke, die großes Vertrauen zu meinem Onkel gefaßt hatte, ganz spontan, unter starken Aufregungszuständen anfing, über schwere psychische Traumata, die sie erlitten, zu berichten, und ihr unverkennbares Bedürfnis nach solchen Aussprachen überzeugten meinen Onkel, daß der Fall für die psychanalytische Methode geeignet sei.
Die Kranke, ein junges Mädchen von 22½ Jahren, das wir Irma nennen wollen, stammt aus einer gutsituierten Familie einer deutschen Kleinstadt. Der Vater starb an den Folgen einer Lungenentzündung als Patientin 3¼ Jahre alt war. Die kleine Familie, in der sie aufwuchs, bestand aus der energischen, mit gesundem Menschenverstande ausgestatteten Mutter, einem 3 Jahre älteren aufgeweckten Bruder und einer 4 Jahre älteren, angeblich sehr intelligenten Schwester. Das Haupt der Familie aber war der verwitwete Großvater mütterlicherseits, der den Kindern den Vater ersetzte. Er muß ein etwas autokratischer Herr gewesen sein, zu dem die Enkel mit Respekt, aber auch mit Liebe emporblickten. Als Patientin 18 Jahre alt war, soll er nach deren Ausspruch „in die zweite Kindheit“ eingetreten sein, was sich durch Vergeßlichkeit und häufige Gereiztheit kundgab. Vor allem duldete er jetzt durchaus keinen Widerspruch mehr, was die „dumpfe Luft“ in der Familie, die in Irmas Kindheit durch sein