You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
(Fortsetzung und Schluß der im I. Halbjahrbande erschienenen Arbeit.)
Äußerlich ist diese Zeit gekennzeichnet durch wiederholte Dämmerzustände, die mit außerordentlicher Erregung einhergehen, aber weniger lang und weniger tief sind als die früheren. Dazwischen sind aber auch ruhige Zeiten zu verzeichnen. Die Zahl der Anfälle ist geringer geworden. An den Tagen vom 8. bis 11. Juli ist Irma zum ersten Male frei von Anfällen gewesen.
Die psychoanalytische Ausbeute dieser Zeit ist sehr groß. Die Sexualkonstitution Irmas tritt immer klarer zutage. Auf der einen Seite feiert die Sexualablehnung ihre Triumphe. („Dieser ganze Akt entsetzt mich.“ „Der Gedanke daran ist mir so entsetzlich, peinlich, furchtbar.“) Auf der andern Seite schimmert die gesteigerte Libido überall durch (siehe die Verbrennungsphantasien und die auf ihnen basierenden Anfälle!). Daneben lassen sich die sadistische (Selbstkasteiung, Totenkopfphantasien) und masochistische (Wille, in der Liebe „zertrümmert“ zu werden) Komponente deutlich erkennen. Der homosexuelle Anteil der Libido ging schon aus dem Verhalten zur Pflegerin hervor. Irma hat ferner eine besondere Freude daran, Frauen anzuschauen, anzufassen, ihnen das Haar aufzulösen, über Stirne und Haar zu streichen. Wir bemerken dabei, daß Irma ein gutes Stück infantiler Sexualität bewahrt hat. Sie bleibt bei der Erwerbung der Vorlust stehen, die sich hier vorwiegend in Schaulust und Freude am Betasten äußert1).