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Die Psychanalyse hat sich als unentbehrliches Forschungsprinzip um eine ganze Anzahl von Wissenschaften verdient gemacht. Nach der Neurologie besetzte sie die Gebiete der Psychologie, Kriminologie, Ästhetik, Mythen- und Märchenforschung, Pädagogik und Pastoraltheorie.
Die vorliegende Abhandlung möchte, nachdem es mir vergönnt gewesen war, das Banner der Psychanalyse auf dem Boden der Pädagogik und der Pastoraltheorie aufzupflanzen, einen Vorstoß in das Land der Ethik wagen. Freilich kann es sich noch nicht darum handeln, die ethischen Kernfragen dem Scheinwerfer der neu gewonnenen heuristischen Methode auszusetzen. Daß diese auch in den Prinzipienfragen der Sittenlehre mitzureden hat, steht außer Zweifel. Über das monistische oder dualistische Moralprinzip z. B. kann schon heute nicht mehr zeitgemäß verhandelt werden ohne Kenntnis der Entdeckungen Sigmund Freuds. Ob die Ethik allgemein verbindliche Pflichten oder nur gemeingültige sittliche Ideale aufstellen und als Pflichtgebot individuell verschiedene Richtlinien zur bestmöglichen Verwirklichung jener Ideale darbieten soll, oder wie es sich in dieser Hinsicht sonst etwa verhalten möge, setzt ebenfalls genaue Beherrschung des psychanalytisch gewonnenen Tatbestandes voraus.
Vorläufig scheint es angezeigt, einer induktiven Verarbeitung des sittlichen Sachverhaltes seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Auch als Normwissenschaft kann sich eine moderne Ethik dieser Aufgabe nicht entziehen. Die Tage, da die „reine Vernunft“ die Sittengebote konstruieren sollte, sind vorüber. Schon die allgemeine Frage nach den