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Das Buch ist mit ebenso viel Leidenschaft als Intelligenz geschrieben. Es spricht von der Frage der Fruchtabtreibung, der Syphilis, der Familie, vom Kind, von Frauen und Frauenberuf. Sein Motto lautet: „Die Menschen müssen ihre Sexualität ausleben, sonst verkrüppeln sie.“ Dem Sinne dieses Satzes entsprechend erhebt Witteis seine Stimme für die Befreiung der Sexualität in weitem Umfang. Er spricht eine Sprache, die man selten hört, die Sprache der schonungslosen, fast fanatischen Wahrhaftigkeit, die unerfreulich in den Ohren klingt, allen Scheinbarkeiten und Kulturlügen die Maske vom Gesichte reißen möchte. Es steht mir nicht an, die ethischen Tendenzen des Verfassers zu beurteilen; die Wissenschaft hat bloß diese Stimme zu hören und schweigend festzustellen, daß, wie immer, auch dieser Rufer nicht allein steht, sondern ein Führer ist für viele, die diesen Weg zu gehen sich anschicken, daß es sich um eine Bewegung handelt, deren Quellen unsichtbar fließen und deren Strömung fast mit jedem Tage höher schwillt. Die Wissenschaft hat den Wahrheitsgehalt des Beweismaterials zu prüfen und zuzuwägen und — zu verstehen. Das Buch ist Freud gewidmet und basiert in vielem auf der von Freud gegründeten Psychologie, welche in ihrem Kerne die wissenschaftliche Rationalisierung eben dieser Bewegung unserer Zeit ist. Man verwechsle die beiden Dinge aber nicht miteinander: dem Sozialpsychologen ist und bleibt die Bewegung ein intellektuelles Problem, dem Sozialethiker aber ist sie eine Aufforderung, der Witteis in seiner Art nachkommt, andere versuchen es auf andere Weise. Man höre