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Im Sommer 1908 hatte ich Gelegenheit, das Problem der Paranoia in längeren Unterredungen mit Prof. Freud aufzurollen. Wir kamen zur Festlegung gewisser Erwartungsvorstellungen, die im wesentlichen von Prof. Freud entwickelt wurden, während ich mit einzelnen Vorschlägen und Einwendungen zur schließlichen Gestaltung des Gedankenganges beitrug. Wir konstatierten zunächst, daß der Mechanismus der Projektion, wie es in dem damals einzigen analysierten Paranoiafalle von Freud dargelegt wurde, für die Paranoia überhaupt bezeichnend ist. Wir nahmen ferner an, daß der paranoische Mechanismus eine Mittelstellung zwischen den gegensätzlichen Mechanismen der Neurose und der Dementia praecox einnimmt. Der Neurotische entledigt sich seiner unliebsam gewordenen Affekte durch die verschiedenen Arten der Verschiebung (Konversion, Übertragung, Substitution), der Demente löst sein Interesse von den Objekten ab1) und zieht es auf das Ich zurück (Autoerotismus, Größenwahn). Auch der Paranoische möchte es mit der Entziehung seiner Anteilnahme versuchen, sie gelingt ihm aber nur zum Teil. Ein Teil der Begierde wird glücklich in das Ich zurückgezogen — Größenwahn fehlt in keinem Falle von Paranoia —, aber ein mehr oder minder großer Teil des Interesses kann sich von seinem ursprünglichen Gegenstand nicht loslösen oder kehrt zu ihm zurück. Dieses Interesse ist aber mit dem Ich derart unverträglich geworden, daß es (mit Affektverkehrung, d. h. mit „negativem Vorzeichen“) objektiviert und so aus dem Ich ausgestoßen wird. Die unerträglich gewordene und dem Objekt entzogene Neigung kehrt also als Wahrnehmung seines Negativs von seiten des Liebesobjektes zurück. Aus dem Gefühl der Liebe wird die Empfindung seines Gegenteils.