You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Eine Woche nach der ersten analytischen Besprechung erzählte mir Simon, daß er seit drei Jahren eine eigentümliche Gewohnheit pflege. Eines Tages fühlte er sich nämlich innerlich gedrungen, Papier zu holen und eigentümliche Zeichen darauf zu entwerfen. Anfangs lachte er über dieses Treiben, allein die innere Nötigung kam immer wieder. Allmählich füllte er einen ganzen Band mit den rätselhaften Zügen. Da er jedoch letzteren keinen Sinn beilegte, vernichtete er das Werk, an dem er so lange gearbeitet hatte, was mir die Mutter bestätigte. Durch Zufall bheben mehrere vor einem halben Jahr geschriebene Blätter verschont und gingen in meinen Besitz über. Seither schrieb er noch immer dann und wann seine ihm unverständliche Geheimschrift.
Auf meine Aufforderung bin verfaßte er in einem Nebenzimmer, während ich die Zungenrede der Schwester analysierte, vier enge Seiten, zu denen er nur etwa drei Minuten gebraucht zu haben glaubt. Die zahlreichen in meiner Gegenwart gefertigten Handschriften lassen mich jedoch annehmen, daß ungefähr die doppelte Zeit nötig war.
Die Schrift erinnert an Stenographie; doch nahm der Jüngling erst vor einem Monat drei Privatstunden zur Erlernung dieser Kunst, und zwar nach Stolze-Schrey. Früher kannte er vom bloßen Ansehen das System Gabelsberger, ohne es lesen zu können. Alle Stenographie war ihm widerwärtig; deshalb gab er den Versuch, sie zu erlernen, bald auf. Schon jetzt erwacht somit der Verdacht, es bilde die automatische Zeichenschrift ein genaues graphisches Seitenstück zur Glossolalie.