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In seiner Arbeit über die Rolle der Homosexualität in der Pathogenese der Paranoia (Jahrbuch für psychoanalytische usw. Forschungen, III. Bd., 1. Hälfte, Leipzig und Wien, Deuticke, S. 106) schreibt Ferenczi:
„Die einseitige agitatorische Tätigkeit der Antialkoholisten sucht die Tatsache, daß der Alkoholismus in den allermeisten Fällen eine allerdings unheilvolle Folge und nicht die Ursache der Neurosen ist, zu verschleiern. Den individuellen wie den sozialen Alkoholismus kann nur die Analyse heilen, die die Ursachen der Flucht in die Narkose aufdeckt und neutralisiert. Oberstabsarzt Dr. Drenkhahn hat aus der Morbiditätsstatistik der deutschen Armee nachgewiesen, daß, infolge der antialkoholistischen Propaganda der letzten Jahre, die Zahl der „Alkoholerkrankungen“ in der Armee von 4·19:10.000 rasch auf 0·7:10.000 gesunken ist, daß aber dafür die Zahl der Erkrankungen an sonstigen Neurosen und Psychosen in demselben Maße gestiegen ist. (Deutsche Militärzeitschrift vom 20. Mai 1909.) Die Ausrottung des Alkoholismus ist also nur scheinbar eine Verbesserung der Hygiene. Der Psyche, wenn ihr der Alkohol entzogen wird, stehen zahlreiche andere Wege der Flucht in die Krankheit zu Gebote. Und wenn dann die Psychoneurotiker, statt an Alkoholismus, an Angsthysterie oder Dementia praecox erkranken, bedauert man den riesigen Aufwand von Energie, der gegen den Alkoholismus an der unrechten Stelle in Gang gesetzt wurde.“
Diese überraschende Notiz veranlaßte mich, die Arbeit Drenkhahns nachzulesen, wobei sich herausstellte, daß allerdings der Autor einen Zusammenhang zwischen der Abnahme der Alkoholkrankheiten im Heere und der Zunahme der Nerven- und Geisteskrankheiten voraussetzte. Statt eines Beweises dieser Hypothese, wie Ferenczi meint, fand ich aber das Gegenteil, einen ganz klaren Beweis, daß der Zusammenhang nicht existiert. Was Drenkhahn im Textteil schreibt, ist eine Wunschphantasie, die im direkten Widerspruch mit der Realität seiner