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Bei meiner Beschäftigung mit sexuellen Problemen hat mich eine Frage besonders interessiert: warum dieser mächtigste Trieb, der Fortpflanzungstrieb, neben den a priori zu erwartenden positiven Gefühlen negative, wie Angst, Ekel, in sich beherbergt, welch letztere eigentlich überwunden werden müssen, damit man zur positiven Betätigung gelangen kann. Die negative Stellung des Individuums zur Sexualbetätigung ist natürlich bei Neurotikern besonders aufgefallen. Soweit es mir bekannt ist, haben einzelne Forscher die Erklärung dieses Widerstandes in unseren Sitten, in der Erziehung gesucht, welche bestrebt ist, den Trieb in Schranken zu halten und deshalb jedes Kind belehrt, die Realisierung des sexuellen Wunsches als etwas Schlechtes, Verbotenes zu betrachten. Manchen ist die Häufigkeit der mit sexuellen Wünschen verknüpften Todesvorstellungen aufgefallen, jedoch wurde der Tod als Symbol des moralischen Falles aufgefaßt (Stekel1), Gross leitet das Ekelgefühl vor den Sexualprodukten von der räumlichen Koexistenz mit den toten Exkreten ab. Freud führt die Widerstände, die Angst auf Verdrängung der sonst positiv gefühlsbetonten Wünsche zurück. Bleuler sieht in der Abwehr das notwendige Negativ, welches bei der positiv gefühlsbetonten Vorstellung auch vorhanden sein muß. Bei Jung fand ich folgende Stelle:
„Die leidenschaftliche Sehnsucht, d. h. die Libido hat zwei Seiten: sie ist die Kraft, die alles verschönt und unter Umständen alles zerstört. Man gibt sich öfter den Anschein, als ob man nicht recht verstehen könne, worin denn die zerstörende Eigenschaft der schaffenden Kraft bestehen könne. Eine Frau, die sich, zumal unter heutigen Kulturumständen, der Leidenschaft überläßt, erfährt das Zerstörende nur zu bald. Man muß sich um ein Weniges aus bürgerlich gesitteten Umständen herausdenken,