You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Sexualtrieb nimmt gegenüber allen anderen Trieben insofern eine besondere Stellung ein, als ihm ganz unverhältnismäßig starke Hemmungen gegenüberstehen. Der Nahrungstrieb reguliert sich durch Hunger und angenehmen Geschmack einerseits, durch Sättigungsgefühl, unangenehmen Geschmack und Ekel anderseits1). Der Kampftrieb wird durch sexuelle Instinkte, durch das Bedürfnis nach zeitweiliger Ruhe, Ablenkung durch andere Strebungen und ähnliches im Zaume gehalten. Aber nirgends finden wir eine Gewalt der Hemmungen, die sich vergleichen läßt den Sexualhemmungen.
Wir sehen beim Menschen und beim Tiere oft dem sexuellen Akt Spiele vorausgehen, die manchmal ziemlich kompliziert sind und in denen vom einen Partner, meist dem Weibchen, ernst gemeinter oder fingierter Widerstand geleistet wird: Tagschmetterlinge kann man nicht künstlich züchten, weil sie zu ihrem Hochzeitsflug einen weiten und hohen Luftraum bedürfen; Feldhasen führen unter gleichen Umständen Rennspiele auf, und das Männchen kann das Weibchen nur im Laufe bespringen. Die Notwendigkeit der Überwindung von physischem, moralischem oder gesellschaftlichem Widerstand und auch von Ekel und Schmerz ist bis zu einem gewissen Grade beim Menschen ein Anreiz zur sexuellen Betätigung, unter pathologischen Umständen aber oft condicio sine qua non, in welch letzterem Falle nichts Neues