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Wir geben hier im Auszug einen Vortrag wieder, den Ferenczi im Rahmen einer von der „Ungarländischen Psychoanalytischen Vereinigung” in Budapest veranstalteten öffentlichen Vortragsreihe gehalten hat. Die ausführliche Darstellung der hier mitgeteilten Ansichten findet sich in Ferenczis kleiner Monographie „Versuch einer Genitaltheorie”. (Band XV der „Internationalen Psychoanalytischen Bibliothek”. Geheftet M 4·50, in Halbleinen 5·50, in Halbleder 8·—.)
Gegen einen Vorwurf, den wir sonst oft genug zu hören bekommen, fühle ich mich heute ziemlich gefeit. Man sagt von der Psychoanalyse (bei zweifelloser Übertreibung des Tatsächlichen), sie wolle alles mit der Sexualität erklären. Da ich heute von Geschlechtsunterschieden zwischen Mann und Weib reden will, ist es wohl nicht zu gewagt, im Zusammenhang damit auch von Sexualität zu sprechen, denn darüber ist wohl niemand im Zweifel, daß die äußere Erscheinung und die psychischen Züge der Männlichkeit und der Weiblichkeit entfernte Folgen der Funktion der Sexualorgane sind. Bezüglich dieser Feststellung sind uns ja die Biologen zuvorgekommen. Die Tierexperimente haben unmißverständlich gezeigt, daß man die Geschlechtscharaktere durch Einpflanzung oder Entfernung der Geschlechtsdrüsen vernichten oder sogar ins Gegenteilige verwandeln kann. Auch der Einfluß von rein psychischen Einwirkungen auf die Geschlechtsmerkmale ist für die Biologie nichts völlig Neues. Es genügt wohl, wenn ich auf ein einziges Beispiel hinweise: Eine von Anfang an in männlicher Umgebung gehaltene, geschlechtlich ganz degenerierte männliche Ratte wurde plötzlich in die Nähe eines Käfigs von weiblichen Ratten versetzt. In Kürze verwandelte sich das Tier innerlich, äußerlich, sowie in seinem Benehmen im Sinne der Männlichkeit, wohl nur unter dem Einfluß des Anblicks und des Beriechens der Weibchen. (Steinach.) Es ist wohl nicht zu übertrieben, hier von einer Veränderung der Sexualmerkmale unter psychischem Einfluß zu reden; nur jemand, der die Annahme von