You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Unter dem Titel „Der Schrecken und andere psychoanalytische Studien” ist soeben im Internationalen Psychoanalytischen Verlag ein Buch erschienen, das eine Reihe neuer, noch unveröffentlichter psychoanalytischer Abhandlungen von Theodor Reik enthält. Die Frage der unbewußten Gewissensangst bildet das stoftliche Band, das diese Einzelstudien verbindet. Sie stellen die Beziehungen zwischen den Mächten des menschlichen Trieblebens und jener psychologischen Instanz, welche die Psychoanalyse als Über-Ich bezeichnet, in den Mittelpunkt der Untersuchung. Außer der größeren Studie, die an der Spitze des Bandes steht und ihm den Titel leiht, enthält er unter anderem Arbeiten „über den Zusammenhang von Haß und Angst”, über „Verzeihung und Rache”, über „den Glauben an die ausgleichende Gerechtigkeit” usw Einen der kleineren Aufsätze dieses Sammelbandes, den über „Erfolg und unbewußte Gewissensangst” geben wir im folgenden hier wieder.
Die Psychoanalyse, die sich in ihren Anfängen ausschließlich mit der Ätiologie und Therapie der Neurosen beschäftigte, war bald gezwungen, ihre Aufmerksamkeit von den einzelnen Symptomen der Kranken auf andersartige Inhalte zu richten. In Wirklichkeit kam ein überraschend großer Teil des Lebens der Kranken, ihre ganze seelische Entwicklung, das Wesentliche ihrer psychischen Biographie zur Sprache — zu einer Sprache, die nicht nur auf das unzulängliche Hilfsmittel der bewußten Wortvorstellung allein angewiesen war. Die Krankheit erwies sich als ein Stück des Schicksals der Person; wichtig genug, da sich das Interesse des Patienten, des Leidenden, darauf konzentrierte und durch sie Arbeits- und Genußmöglichkeiten empfindlich eingeschränkt wurden. So wichtig nicht, als sie ihm, dem Leidenden, in ihrer Isolierung schien, weil sie das Resultat komplizierter, lange vorhergehender, psychischer Prozesse darstellte. Das seelisch Wirksame und Wesentliche lag vor der Krankheit. Die Krankheit, ihre Ätiologie, ihr Verlauf und ihre Prognose, ihre Triebgrundlage