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(aus dem Jahre 1928)
LUDWIG BINSWANGER: Wandlungen in der Auffassung und Deutung des Traumes. Von den Griechen bis zur Gegenwart. Verlag Julius Springer, Berlin 1928.
Im ersten Kapitel seiner „Traumdeutung”, deren Erscheinen eine neue Epoche in der Geschichte der Traumliteratur inaugurierte, hat Freud die vorpsychoanalytischen wissenschaftlichen Ansichten über die Traumprobleme bekanntlich in sachlicher Anordnung dargestellt. Er gab zuerst die Ansichten über Beziehung des Traumes zum Wachleben wieder, stellte dann jene über das Traumgedächtnis zusammen, dann die über das Kindheitsmaterial im Traume, über die Traumreize usw. Binswanger stellt nun in seinem kleinen, aber sich einer gedrängten Darstellungsart bedienenden Buche (das aus in Kreuzlingen, bezw. in Luzern gehaltenen Vorträgen erwachsen ist) die Wandlung der Traumauffassung chronologisch dar, wobei er sie auch zu dem geistigen Charakter der jeweiligen Zeit in Beziehung setzt und absichtlich mehr auf die philosophische Literatur eingeht, als es Freud tat. Bei der Behandlung der hochentwickelten religiösen, philosophischen und ärztlichen Anschauungen der Griechen des Altertums über Traumprobleme wird besonders hervorgehoben, daß sie mannigfache Ansätze zur modernen erfahrungswissenschaftlichen, insbesondere psychoanalytischen Erforschung des Traumlebens aufweisen. Sehr lesenswert ist der Abschnitt Binswangers über die Romantik, insbesondere die Ausführung über Hamann, den „Magus des Norden”, über Herder und über Novalis! Schließlich stellt Binswanger den großen Fortschritt dar, den Freuds Traumlehre — im Zusammenhang der ganzen Psychoanalyse und insbesondere auch ihrer Ichpsychologie — bedeutet: eine (noch nicht ganz ausgebaute) „wissenschaftliche Lehre vom sittlich-triebhaften Zusammen- und Gegeneinanderwirken …, die uns in den Stand setzt, nicht nur wissenschaftlich zu erkennen, sondern auch praktisch zu helfen, wo wir früher auf Erkennen und Helfen verzichten mußten”. Den Schluß der inhaltsvollen Schrift, die