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sei die Psychoanalyse, führt der bekannte Berliner Internist Prof. Friedrich Kraus, in einem kleinen Aufsatz „Krisis der Schulmedizin” aus, den er in der Berliner Wochenschrift „Das Tagebuch” am 23. Februar veröffentlicht. Die Schulmedizin („will sagen die nach Möglichkeit wissenschaftliche Medizin”) hat nach Kraus die Aufgabe, alles praktisch Brauchbare und theoretisch Ersprießliche „selbst der disparatesten Sekten” zu assimilieren und die Resultate autonom fortzubilden. Gemeint sind vor allem: die Psychoanalyse, die Naturheilkunde, die Homöopathie. Auf das Unbewußtwerden nicht völlig zum Ablauf gekommener Erlebnisse und auf die vom Unbewußten ausgehenden Hemmungen hingewiesen zu haben, sei „ein Verdienst von Freud, das sich in einer Reihe bemerkenswerter klinischer Entdeckungen lohnte. Freud hat praktisch auch versucht, die so entstehenden Krankheiten durch Analyse früherer Erlebnisse rein vom Innern her zu heilen, indem er diese aus dem Unbewußten ins klare Bewußtsein bringt. Dennoch kann die Psychoanalyse nur ein begrenztes Zwischengebiet auf dem Wege zur Wissenschaft beanspruchen. Freud nimmt nämlich als menschliche Grundtendenz an, das Weltbild so umzuarbeiten, wie es unseren Wünschen entspricht. Diese Neigung breche ungehemmt durch in allen Lebenslagen, in welchen unter dem Zwang äußerer Verhältnisse die Anknüpfung jener Wünsche an die Wirklichkeit gestört sei. Hier liegt die bedenklichste Beschränktheit der Psychoanalyse. Sie berücksichtigt bloß das ursprünglich ‚Dionysische’, das ‚Titanische’ jener Wünsche, die vermeintlich erst nachher durch einen aufgedrängten Schuß Moraltheologie ‚sublimiert’ werden können. In Wirkkeit ist jedoch die menschliche Natur in ihrer Symbolik schon ursprünglich auch ‚apollinisch’, ‚anagog’, wie zum Beispiel Herbert Silberer und Hitchcock überzeugend dartun. Wir sind nicht bloß so geartet, daß wir mit dem Wunsch beginnen, die Mutter zu coïtieren, den Vater zu töten (Ödipuskomplex) und nachher der Libido tropistisch zu folgen. Ma