You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Über „Verzweiflung am Geist” handelt eine Studie von August Vetter im März-Heft der „Neuen Rundschau”. Als die Urkunde der Kriegserklärung gegen die reine Geistesherrschaft bezeichnet Vetter Kants Kritik der reinen Vernunft. Die Feindseligkeit begann, recht unscheinbar, damit, daß dem Denken die Fähigkeit bestritten wurde, in das Wesen der Dinge einzudringen. Mit Hegel kam wohl der Geist noch zu einem nachträglichen Scheinsieg. Es bedurfte noch eines einfachen Zugriffs, um die kunstvolle Vernunftlehre Hegels zu erledigen und dies vollzog Marx, indem er „Güter” einsetzte, wo jener „Ideen” meinte. Philosophisch stellt den Wendepunkt des Aufstandes gegen die Geistesherrschaft Schopenhauer dar. Aber auch er schuf mit der Anerkennung des Willens (genauer: des Trieblebens) als Wesenskern des Daseins noch keine neue Weltanschauung, denn er verneint ja den kaum eingeführten blinden Drang des Geschehens und insofern ist seine Lehre ein Versuch, den Ast abzusägen, auf den er sich gesetzt hat. „Kein Wunder, daß seine Anstrengungen im Weltschmerz enden”. Schopenhauers Alleinsein, furchtlos, gottlos, im Leben wie im Denken dunklen Triebgewalten ausgeliefert, wurde maßgebend für die nach ihm auftretenden freimütigen Außenseiter, wie Kierkegaard und Nietzsche. Die Fortbildner Nietzsches (Spengler, Klages) haben dann allerdings das persönliche Bekenntnis und Selbstsein in Gedanken wieder fallen gelassen; sie bewegen sich auch nur innerhalb bestimmter fachlicher Grenzen, so daß der Gegensatz zwischen ihnen und der Schulwissenschaft (etwa der Wesensdeutung Husserls und Schelers) an grundsätzlicher Schärfe verlor.
„Anders” — fährt Vetter fort — „liegt der Fall bei der Lehre Freuds, die gleichfalls von einem Sondergebiet aus zu überschauender Einsicht vorstieß. Zu ihren Vorzügen gehört, daß sie sich auf naturwissenschaftlichem Boden entwickelte, wodurch eine sachliche Allgemeingültigkeit von vornherein gesichert war. Wenn heute schon von ihrer Weltgeltung gesprochen werden kann, so verd