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Das Erdbeben von Lissabon 1755 — man spürt es im Werk jedes einzelnen Begabten seiner Zeitgenossen — veränderte die Haltung der weißen Menschheit zu allen Fragen des Glaubens, der Vorherbestimmung, der göttlichen Güte, kurz, die Stellung der Menschen im christlichen oder besser im theistischen All. Eine ähnliche Wirkung hat der Weltkrieg; sie wird von Jahrfünft zu Jahrfünft deutlicher hervortreten. Aber während jene Katastrophe auf eine unvorbereitete oder unzureichend vorbereitete Menschheit traf, war das Heilmittel gegen die ungeheuren Verwüstungen, die der Krieg in der geistigen Welt anrichtete, schon zwei Jahrzehnte vor ihm in Wirkung getreten, im Verborgenen zunächst, wie sich's für alles Große gebührt: durch die Person, das Werk und die Schule von Sigmund Freud.
Freud hat die Stellung des Menschen in der Welt entscheidend geändert, indem er ihr eine volle Hälfte an Erkenntnisraum hinzufügte, gleich als hätte die weiße Rasse bislang nur die der Sonne zugewendete Seite ihres Planeten bewohnt und von ihm die Entdeckung der unbesonnten empfangen. Vor Freud gab es jenseits der Fachliteratur und sogar in ihr nur jene bewußtseinsfähige Lebenssphäre, die von den Jahrtausende alten Werten, Überzeugungen und Gewohnheiten unserer vernunftbeherrschten Gesittung eingeteilt, erkundet und gebilligt war.