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Aus dem Englischen übersetzt von Luise Zucker (Wien)
Dem unbefangenen Beobachter ist gewiß schon oft die merkwürdige Erscheinung aufgefallen, daß Irland auf alles, was von England ausgeht, so völlig anders reagiert als Schottland und als Wales. Es ist nicht notwendig auf den Grad der Verschiedenheit näher einzugehen: die Tatsache steht uns heute klar vor Augen. Zweck dieser Abhandlung ist nach psychoanalytischen Richtlinien darzulegen, daß ein wichtiger Faktor, der diesen Unterschied hervorruft, die geographische Beziehung der Länder untereinander, ungleich subtiler und verwickelter einwirkt, als man vermuten könnte. Es ist dabei klar, daß wir wissentlich einen einzigen Faktor herausgreifen und nicht etwa die Absicht haben, die zahlreichen anderen wohlbekannten Momente, die historischen, dynastischen und ökonomischen, zu unterschätzen.
Ich glaube nicht auf Widerspruch zu stoßen, wenn ich feststelle, daß die psychologischen Motive, die Schottland und Wales veranlassen, sich freundschaftlich mit England zu verbinden, augenfälliger sind und weniger der Aufklärung bedürfen, als jene, die den Kampf zwischen Irland und England nicht zu Ende kommen lassen. Die Beziehungen zwischen Schottland und England gehören dem gleichen Typus an, wie die zwischen zwei kräftigen und ebenbürtigen Männern, die nach einer Periode erbitterter Fehde übereinkommen sich zu versöhnen, um sich zum gegenseitigen Wohl in einer Gemeinschaft zu vereinen. Dieses Ergebnis wurde gewiß durch den Umstand erleichtert., daß Rasse und Kultur beider Länder vorwiegend anglosächsisch waren; tatsächlich bestehen, abgesehen vom westlichen Hochland kaum größere Unterschiede zwischen Schottland und Nord-England als zwischen Nord- und Süd-England. Das Gleiche kann nicht in Bezug auf Wales und England gesagt werden, wo die großen Kultur- und Rassenunterschiede sehr tiefgehend sind, und doch haben es diese zwei Nationen verstanden, Jahrhunderte lang harmonisch im engsten Kontakt miteinander zu leben. Man kann auch nich