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Man kennt die Gefahr, die der Psychoanalyse von Seiten ungebetener Helfer droht, die da versprechen, die rohe Freudsche Lehre zu destillieren und zu entgiften und sie dann durch edlere Zutaten zur Weltanschauung zu machen, zumindestens der Psychoanalytiker selbst kennt diese Gefahr der angeblich philosophischen Verwässerung zur Genüge und ist vor ihr oft und unmißverständlich gewarnt worden. Theodor Reik aber gehört zu jenen Psychoanalytikern, die nicht nur angesichts solcher von außen kommenden Verflachungsbestrebungen aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen. Er wird auch nicht müde, eindringlich zu warnen vor der Gefahr, die der Psychoanalyse von innen her droht, vor der Gefahr der Selbstbeschränkung auf das Therapeutische. Die Überbetonung der einen praktischen herapeutischen Anwendungsmöglichkeit führt nach Reik mit gesetzmäßiger Notwendigkeit zur ungerechtfertigten Einschränkung der Bedeutung der Psychoanalyse als psychologischer Wissenschaft und in ihrer weiteren Folge zum Aufgeben ihrer tiefsten wissenschaftlichen Errungenschaften; die Psychoanalyse wird eine Psychologie sein oder sie wird nicht sein.
Diesen Standpunkt setzte Reik vor einiger Zeit in einer Diskussion im „technischen” (therapeutischen) Seminar der „Wiener Psychoanalytischen Vereinigung” auseinander. Dabei wies er besonders darauf hin, daß nicht nur die psychoanalytische Neurosenlehre Entscheidendes für das Studium der Entstehung und Entwicklung religiöser und moralischer Begriffe beisteuert, sondern daß — umgekehrt — auch Theologie und Ethik der wissenschaftlichen Psychologie vorgearbeitet haben (die Existenz und die Bedeutung de unbewußten Schuldgefühls sei z. B. auf dem Gebiete der Religion früher bekannt gewesen, als auf dem des Neurosenstudiums). Der Erfolg der Neurosentherapie ist daher nach Reik in einem großen Maße davon abhängig, ob es ihr gelingt, religiöse und moralische Faktoren mit Verständnis psychisch in Rechnung zu stellen, u. zw. besonders für die Einschätzung des Verdrängungs