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„ … Der asketische Priester — er hatte ersichtlich gesiegt, sein Reich war gekommen: schon klagte man nicht gegen den Schmerz, man lechzte nach dem Schmerz; ‚mehr Schmerz! mehr Schmerz!’ so schrie das Verlangen seiner Jünger und Eingeweihten Jahrhunderte lang. Jede Ausschweifung des Gefühls, die wehe tat … diente fürderhin dem Siege seines Ideals, des asketischen Ideals …”
„ … Es ist sonderbar, daß nicht längst die Assoziation von Wollust, Religion und Grausamkeit die Menschen auf ihre innige Verwandtschaft und ihre gemeinschaftliche Tendenz aufmerksam gemacht hat.”
Der bekannte norwegische Theologe Kristian Schjelderup (dem übrigens seine kirchlichen Vorgesetzten wegen seiner Beschäftigung mit der Psychoanalyse die Ausübung der Seelsorgetätigkeit untersagt haben) veröffentlicht im Verlag Walter de Gruyter & Co. in Berlin eine religionspsychologische Untersuchung über die Askese. Im Laufe seiner religionswissenschaftlichen Arbeiten sah sich Schjelderup immer mehr und mehr auf die Notwendigkeit der Zuhilfenahme psychoanalytischer Erkenntnismethoden verwiesen, sodaß er sich schließlich durch Pfarrer Dr. Pfister in Zürich in die psychoanalytische Technik einführen ließ.
Das Buch über Askese, führt der Verfasser im Vorwort aus, behandelt ein Gebiet, das besonders geeignet ist, einen Begriff von der Fruchtbarkeit der Gesichtspunkte zu geben, welche die psychoanalytisch orientierte Psychologie der Religionsforschung zur Verfügung stellt. Schjelderups Untersuchung schöpft hauptsächlich aus folgenden Fällen: aus der Analyse einiger Fälle asketisch-mystischer Tendenz (darunter eines Einsiedlermönches aus dem Orden der Augustiner), aus Aufzeichnungen des Verfassers anläßlich zahlreicher Aufenthalte in Benediktiner- und Franziskanerklöstern Mitteleuropas, in Brahmanen- und Buddhistenklöstern in Indien, China, Japan usw., und schließlich aus der asketischen Literatur. Drei Fragen versucht das Buch hauptsächlich