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Es kann wohl nicht anders sein, als daß Kunst, die sich jeweils mit dem Gesamtgehalt der Kultur auseinanderzusetzen hat, auch zu neuen Inhalten dieser Kultur, ihren wissenschaftlichen, technischen, weltanschaulichen Produkten in irgend einer Weise Stellung nehmen, sie sich irgend einverleiben muß. So
ist auch die Psychoanalyse für die Literatur wichtig geworden; aber gleichwohl in anderem Sinne als andere wissenschaftliche oder geistige Schöpfungen der Zeit. Denn sonst es ist wohl stets so, daß sich Kunst das jeweils Neue nur zum gegenstand der künstlerischen Gestaltung wählt, ob neue, oberflächliche oder tiefe Lebensform, die sie, die ewige Kritikerin alles Lebens, darzustellen, eindrucksvoll zu machen, deutend zu formen sucht. Oder es ist so, daß die Kunst dem zivilisatorischen Fortschritt nur ein Mittel für ihren Ausdruck entnimmt, einen technischen Behelf für ihre im übrigen unabhängige Aufgabe. Beides ist auch der Fall in der Reaktion der Literaturen auf die Erscheinung der Psychoanalyse; sie wird zum Gegenstande der Behandlung und sie muß auch technische Mittel der Darstellung liefern. Doch damit ist, in diesem Falle, die Beziehung zwischen Literatur und Psychoanalyse nicht erschöpft. Was es sonst an kulturellen Erscheinungen gibt, vom Darwinismus bis zum laufenden Band, gab der Kunst ein jeweils neues Thema; und soweit es Ausdruck und Symbol einer neuen Lebensform war, wurde es zur vornehmsten Funktion der künstlerischen Arbeit, diesen symbolischen Charakter in Klarheit und Intensität zu bilden. Die universelle Symbolik alles Daseins lebte nur in der Kunst. Und diese war es auch, die der Fülle der Erlebnisse, die potentiell in ihrem Gegenstande enthalten waren, Sprache gab und sie damit der bewußten Erlebensfähigkeit der Menschen öffnete; damit hat sie gleichsam immer neue Gebiete der Seele mit Wegen und Wegweisern versehen und so dem Publikum zur Benützung geöffnet. In der modernen Psychologie der zentralen Persönlichkeitsprobleme, in erster Linie somit in