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Vom „Jahrbuch der Erziehungswissenschaft und Jugendkunde”, das von Dr. phil. et med. Erich Stern, a. o. Professor an der Universität Gießen, Dozent am Pädagogischen Institut Mainz, bei der „Union Deutsche Verlagsgesellschaft”, Berlin, herausgegeben wird, ist jetzt der IV. Band erschienen.
Von den Beiträgen dieses Bandes sind besonders drei für den Psychoanalytiker von näherem Interesse. Der Herausgeber selbst, Prof. Erich Stern, behandelt die „Psychologie in der Ausbildung der Erzieher”. Der Beruf des Erziehers — betont er nachdrücklich — ist kein wissenschaftlicher Beruf; eher noch kann er mit dem des praktischen Arztes verglichen werden. Die Psychologie muß in der Erzieherausbildung eine zentrale Stellung einnehmen, aber nicht etwa wegen ihres rein wissenschaftlichen Wertes, sondern weil und insofern sie den Erzieher zur Ausübung seines Berufs befähigt. Die Psychologie soll dem Erzieher Mittel und Wege weisen, sich über sich selbst klar zu werden, den Zögling richtig zu verstehen, sich selbst zu leiten und den Zögling zu behandeln. Welche Richtungen, welche Methoden der Psychologie — fragt Stern — kommen hier in erster Reihe in Frage? Die naturwissenschaftlich-experimentelle Psychologie, meint er, klärt nur gewisse, vorwiegend das Lernen, den Unterricht, betreffende Teilvorgänge auf und ist insbesondere geeignet, vom anderen Menschen abzuziehen, während die geisteswissenschaftliche Psychologie eher zu ihm hinführt. Die wichtigsten Bausteine zur Psychologie des Erziehers selbst, zu seiner Selbsterkenntnis, haben nach Stern Strukturpsychologie, Psychoanalyse und Individualpsychologie beigetragen.
Dozent Dr. Fritz Giese (Stuttgart) verfolgt in seinem Beitrag „Experimental-psychologie und Jugendkunde” u. a. historisch den Einfluß der Freudschen Entdeckungen auf die pädagogische Psychologie. Er erinnert an den „geharnischten Protest”, der 1913 unter William Sterns Führung in Breslau anläßlich der Tagung des „Bundes für Schulreform” gegen die Freudsche Lehre von der infan