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Im Juniheft der in Jena erscheinenden (von Prof. Dr. Julius Schaxel geleiteten) kulturpolitischen Monatsschrift „Urania” finden wir einen Beitrag von Otto Jenssen unter dem Titel „Die Illusion ohne Zukunft — Marx und Freud.” Der Verfasser findet die soziologischen Einwände die Karl Kautsky gegen Freuds These vom Vatermord in der Urhorde aufzeigte, zum Teil berechtigt (wenn er auch Kautsky in der Ablehnung der Psychoanalyse schlechthin nicht folgen kann). Die Religion ändert ihren Charakter in der Klassengesellschaft insofern, als sie zu einem Herrschaftsmittel wird und bei dem großen Unterschied an wissenschaftlicher Erkenntnis und Triebbefriedigung bei den verschiedenen Klassen sich noch in einer primitiven Form erhält, wenn sie in anderen Gruppen schon überwunden oder stärker durch wissenschaftliche Erkenntnis zurückgedrängt ist. „Diese im einzelnen nachzuweisen und in seinen mannigfachen sozialpsychologischen Erscheinungen darzustellen, wäre die Aufgabe einer von psychoanalytischen Erkenntnissen befruchteten marxistischen Religionsgeschichte.”
Nur wenn man die durch die Produktionsweise maßgebend bestimmte Willens- und Gefühlseinstellung berücksichtigt, — führt dann Jenssen aus, — versteht man den Erfolg oder Mißerfolg antireligiöser Weltanschauungen und die Grenzen der Macht der Religion als soziale Illusion. Die Zukunft gehört nicht den „urzeitlichen Phantasien, sondern der Wissenschaft und den Gefühlen moderner Klassengemeinschaft, die der heutigen Gesellschaft und ihren Kämpfen entsprießen. Freud hat den Charakter der Religion als einer Illusion und einer neurotischen Wunscherfüllung nachgewiesen. Marx zeigt uns, daß die gesellschaftliche Stunde der Religion geschlagen hat, wenn wir … unseren Willen und unsere Triebe richten auf eine Gesellschaft, die keiner Illusionen mehr bedarf.”