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Eine zusammenhängende und vollständige Darstellung der Erwerbungen an psychologischem Verständnis von Kunstwerken und Künstlern durch die psychoanalytische Methode ist in Freuds Werken nicht auffindbar. Wenn man Freuds Werke auf ihren Gehalt an Aufschlüssen über Probleme der Kunst und des Künstlers hin untersucht, stößt man auf zweierlei Quellenreihen, die, einander ergänzend, in reziprokem Verhältnis zueinander stehen. Die eine Quellenreihe wird dargestellt durch eine Anzahl verschiedener Abhandlungen über Themen der Neurosenlehre, leicht verständliche Darstellungen der Psychoanalyse und ihrer Ergebnisse usf., in denen sich Bemerkungen und Beobachtungen über Kunst und Künstler finden, verstreut und vereinzelt, wie sie sich eben aus dem speziellen Thema, dem die Abhandlung gewidmet ist, ergeben, oder wie sie sich in den allgemeinen Rahmen fügen, den das gemeine Verständnis fordert. Die Aufschlüsse, Erhebungen, Parallelen, die sich in diesen, anderen Themen gewidmeten Schriften gewissermaßen als Randbemerkungen finden, sind für die theoretischen Probleme der Kunstpsychologie meist wertvoller und gewinnbringender als die der zweiten Quellenreihe. Diese zweite Quellenreihe stellt sich dar in einzelnen Abhandlungen, in denen Künstler und Kunstwerke einer Analyse unterzogen werden. Ihnen sind zuzurechnen die Schriften: „Der Wahn und die Träume in Jensens Gradiva”, „Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci”, „Der Moses des Michelangelo”, „Eine Kindheitserinnerung aus Dichtung und Wahrheit” u. a. m. Ihr wesentlicher allgemeiner Wert liegt nicht so sehr im Aufschlußreichtum über kunstpsychologische Probleme; auch ist es ihr eigentliches Ziel nicht, über solche Probleme Klarheit zu schaffen; der Zweck dieser Schriften ist vielmehr aufzuzeigen, wie der Geltungsbereich analytischer Ergebnisse sich weit über das Gebiet des Traumes und der Neurose hinaus erstreckt und wie selbst unsere höchsten Kulturleistungen tief im Unbewußten verwurzelt sind und aus ihm ihre nährende K