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Im „Archiv” des Internationalen Psychoanalytischen Verlags, das unter anderem Materialien zur Geschichte der Freudschen Veröffentlichungen sammelt, befinden sich drei handschriftliche Briefe des Dichters Wilhelm Jensen an Sigmund Freud aus dem Jahre 1907. Freuds Studie „Der Wahn und die Träume in W. Jensens ‚Gradiva’ ”, die erste Anwendung der Psychoanalyse auf einen Gegenstand der Dichtkunst (jetzt enthalten im IX. Band der Gesammelten Schriften) war anfangs 1907 erschienen.1 Die Stellungnahme des (damals 71 jährigen) Dichters zu der tiefenpsychologischen Analyse seines „pompejanischen Phantasiestückes” geht aus den hier folgenden drei Briefen hervor. Auf der nebenstehend faksimilierten Wiedergabe der Handschriftprobe ist auch die Zeichnung des Landhäuschens zu sehen, von dem im Ausgang des zweiten Briefes die Rede ist.
Prien am Chiemsee, den 13. Mai 1907 Bayern
Hochgeehrter Herr!
Ihre mir eben über München hierher in mein Landhaus zugegangene und sogleich gelesene wissenschaftliche Behandlung und Anerkennung meiner „Gradiva” hat mich selbstverständlich aufs höchste interessiert und erfreut, so daß ich Ihnen freundlichsten Dank für die Übersendung ausspreche. Allerdings hatte die kleine Erzählung sich nicht „träumen” lassen, vom psychiatrischen Standpunkt aus beurteilt und gewürdigt zu werden, und hie und da legen Sie ihr in der Tat einiges unter, was der Verfasser wenigstens bewußt nicht im Sinne getragen hat. Aber im Ganzen, allem Hauptsächlichen, kann ich rückhaltslos beistimmen, daß Ihre Schrift den Absichten des Büchleins völlig auf den Grund gegangen und gerecht geworden ist. Am ratsamsten dürfte es wohl sein, die Schilderung der psychischen Vorgänge und der aus ihnen entspringenden Handlungen dichterischer Intuition zuzumessen, wenn auch mein ursprüngliches medizinisches Studium etwas mit Anteil daran gehabt haben mag. Doch daß ich auf eine Anfrage „sogar etwas unwirsch” Erwiderung gegeben, ist mir vollständig aus dem Ge