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Im „Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung” (herausgegeben von E. Husserl) veröffentlicht Aurel Kolnai (Wien) eine Studie über den Ekel. Er behandelt die Abgrenzung des Ekels von Verachtung, Mißfallen, Abscheu, Brechreiz und vor allem von der Angst, erörtert die Typen
des physisch und des moralisch Ekelhaften und schließt mit ethischen Problemen, der Frage der ethischen Funktion des Ekels und dem Problem seiner Überwindung. Zum Punkt „Überwindung” wird ein „den Geist des Evangeliums wahrhaft erfassendes Gedicht” von Werfel, „Jesus und der Äser-Weg”, herangezogen. (Der Heiland wird beim Anblick des Aasstroms von würgendem Ekel erfaßt; als Verkünder einer Liebe, die keine absolute Schranke kennt, fleht er von Gott-Vater diese herab, die stärker sei als der Ekel; dieser Liebe teilhaft geworden, taucht er ins Aasgewimmel; und so wirkt er ein Wunder: ein Wohlgeruch von Rosen verkündet den Sieg der Liebe über den Ekel.)
An einer Stelle berührt sich die Studie Kolnais einigermaßen mit der Psychoanalyse.1 „Die im Ekel liegende Herausforderung” — schreibt er — „heißt etwas ganz anderes als eine Bedrohung oder etwa eine kraftlose, lächerliche Drohung oder eine pure Störung (der Tätigkeiten oder der Lebensordnung). Unzweifelhaft steckt im Anekeln als Teilelement auch ein gewisses Einladen, ein, ich möchte sagen makabres ‚Anlocken’. Dies klingt wohl recht unphänomenologisch und unverkennbar ‚psychoanalytisch’. In der Tat folge ich hier einem psychoanalytischen Gedankengang. Den phänomenologischen Boden hoffe ich aber trotzdem unter den Füßen zu behalten. Denn gegen nichts weiß ich mich gefeiter als gegen den trüben Zauber jener paradoxlüstern-psychologistischen ‚Ableitungs’-versuche, die jeden Haß partout als ‚verdrängte’ Liebe, jede Liebe partout als ‚überkompensierten’ Haß glauben ‚deuten’ zu können. Allein es gibt doch so etwas wie Liebe, die durch Unterdrückung eines ihr objekt-gemeinsamen Haßimpulses an Stärke gewinnt, wenngleich sie dadurch auch einen b