You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im Juliheft der Monatsschrift „Der Nervenarzt” veröffentlicht H. Seng (Heidelberg) „Gedanken zum Problem: Psychotherapie und Religion.” Wir lesen darin:
„Die Realität, zu der der Kranke — und überhaupt der Mensch — erzogen werden soll, ist für Freud das für die Vernunft Erfaßbare, denn es gibt für ihn, wie er sagt, keine Instanz über die Vernunft … Die religiösen Vorstellungen sind (für Freud) Reaktionen gegenüber den Forderungen der Realität. Demgegenüber ist für den Religiösen das Religiöse in seinem Bewußtsein die Repräsentanz seiner Beziehung zu dem Teil der Realität, der ihm seinem Wesen nach nur in der durchaus einzigartigen, mit nichts sonst vergleichbaren Form des Religiösen bewußt werden kann.”
„ … Unter allen Umständen wird es das Richtige sein, zunächst den Kranken seine bewußte Einstellung zur Wirklichkeit und damit auch seine religiöse Einstellung selbst gewinnen zu lassen und nur seine Kritik zu wecken, wenn auf diesem Wege Projektionen, Verdrängungen usw. die Entwicklung zu beeinflussen drohen.”
„ … Verhältnismäßig leicht ist die grundsätzliche Lösung des Problems … für den, der eine feste Glaubensform hat, die ihm den schlechthin für jeden Menschen gültigen Weg zeigt und von ihm verlangt, daß er, wo immer es sei, für ihn eintrete. Für uns Ärzte, wohl auch für die meisten derer, die kirchlich gläubig sind, würde dieses Verhalten nicht mehr in den Rahmen der Psychotherapie gehören, sondern in den der kirchlichen Seelsorge. Arztlich