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Von dem Buche „Grundzüge der Psychoanalyse” von Leo Kaplan (Zürich), zuerst 1914 im Verlag Deuticke, Wien, veröffentlicht, erschien soeben eine „zweite verbesserte und erweiterte Auflage” im Merlin-Verlag, Baden-Baden. Wie der Verfasser auseinandersetzt, hat ihm in der Zwischenzeit seine Beschäftigung mit dem Problem der Magie gezeigt, daß viele Momente in. der Verdrängung durch die magische Denkweise bedingt sind, die ihrerseits vom Narzißmus abzuleiten ist. Daher habe er sein Buch gänzlich umgearbeitet: „die dynamische Seite betont und die Bedeutung des Narzisstisch-Magischen stärker hervorgehoben.” Aus diesem umfangreichen (wenn auch nicht auf dem Boden der klassischen Psychoanalyse erwachsenen und sie repräsentierenden, doch zweifellos auch den Psychoanalytiker ungemein interessierenden, gedankenreichen und anregenden) Buch zitieren wir hier eine Anmerkung über Karl Kautskys Stellung zur Psychoanalyse. Kaplan schreibt:
„Karl Kautsky verkennt völlig den Sinn der Freudschen Deutung der Ödipus-Sage. Kautsky sagt: ‚Freud behauptet …, das geschlechtliche Verlangen nach der Mutter erzeuge in dem Knaben nicht bloß Haß gegen den Vater, den Nebenbuhler, sondern sogar den Wunsch, ihn zu töten. Für diese Denkart hat Freud eine besondere Bezeichnung gewählt, die bereits zum geflügelten Wort geworden ist. Er nennt sie den Ödipuskomplex. Ödipus hat nämlich seinen Vater erschlagen und seine Mutter geheiratet. Es geniert Freud wenig, daß Ödipus am wenigsten in der Lage war, die seelischen Motive des Ödipuskomplexes zu entwickeln. Denn er wuchs als Findelkind auf, ohne Vater und Mutter zu kennen. Als erwachsener Mensch kommt er bei einer Wanderung in Streit mit einer ihm begegnenden Gesellschaft, wobei er alle erschlägt. Einer unter ihnen ist sein Vater, wovon er keine Ahnung hat. Er wandert dann weiter, besiegt die Sphinx, die Thebens Umgebung verheert, und gewinnt als Siegespreis die Hand der Witwe des Königs von Theben — seiner Mutter. Er war also ganz außerstande, wegen des V