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Die psychoanalytischen Bemühungen um das Verstehen der Persönlichkeit bedeutender Menschen, namentlich von Künstlern und Dichtern, erfahren endlich mehr Anerkennung. In dem groß angelegten Werke „Genie-Irrsinn und Ruhm” zieht der Verfasser W. Lange-Eichbaum die psychoanalytische Literatur wesentlich mit heran, und die neue, um Vollständigkeit bemühte Biographie Hamsuns gibt ihrem Autor W. A. Berendsohn Anlaß, geradeaus zu erklären, „er danke der Psychoanalyse sehr viel”. Dies will nicht etwa sagen, dieser Literarhistoriker hätte — als Erster — Psychoanalyse wirklich studiert oder gar zu diesem Zweck sich selbst einer Analyse unterzogen; sondern er fühlt sich dem verpflichtet, was Psychoanalytisches über Hamsun geschrieben wurde.1 Der Fall Hamsun ist aber tatsächlich eine solche Fundgrube zur Bestätigung der psychoanalytischen Feststellungen, ein solcher Schulfall, ja ein Kronzeuge für unsere Wissenschaft, daß hier ein Wort mehr gesagt werden soll.
Die Biographie Berendsohns bringt eine Reihe neuer Daten, die sämtlich nur bestätigen, was wir gefunden haben.
Hamsuns erste Novelle „Björger” zum Beispiel setzt gleich kräftig ein: Die Mutter Björgers stirbt kurz nach seiner Geburt, der Vater nimmt sich das Leben, der Hof verfällt dem Gläubiger, und der ältere Bruder Thor wird halb wahnsinnig unter diesen Schicksalsschlägen. Björger kommt zu einem kinderlosen Ehepaar, das sich seiner liebevoll annimmt. Ein Familienroman mit viel Grausamem!
Hamsun schrieb 1890 einen Aufsatz „Aus dem unbewußten Seelenleben”, in dem er seine feine tief psychologische Schreibart begründet. In seiner radikalen Bekämpfung der „vier Großen”, vor allem Ibsens, sehen wir den Vaterkomplex Hamsuns deutlich zum Vorschein kommen.
Seine Arbeitsweise hat der Dichter selbst, wie folgt, dargestellt:
„Viele Gedichte entstehen, wenn ich auf dem Rücken im Walde liege. Ich versuche, von den Menschen und von allen Erinnerungen an das moderne Leben weit wegzukommen, ich versetze mich in die Tage meiner Kindheit, als