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Wer haßt, der liebt. Man versteht weder Liebe noch Haß, wenn man das nicht weiß. Liebe und Haß sind nicht Gegensätze, die einander ausschließen, sie hängen miteinander zusammen und manchmal verwandelt sich mit unbegreiflicher Schnelligkeit das eine Gefühl in das andere. In der Psychoanalyse spricht man von Übertragung der Gefühle und unterscheidet eine positive und eine negative Übertragung. Der Trieb tritt doppelpolig als Liebe und Haß an die Welt der Objekte heran. Im Anfang war der Trieb. Die Objekte der Außenwelt, auf welche wir ihn übertragen, sind mehr oder weniger Zufallssachen. Sie sind gewissermaßen unschuldig.
Viele, die ehemals geliebt haben, haben ihr Liebesobjekt verloren und sind Hasser geworden. Andere müssen aus inneren oder äußeren Ursachen auf Liebe verzichten. Wenn sie lieben könnten, würden sie nicht hassen. Aber sie können nicht lieben und deshalb erscheint ihre Libido in der anderen Form. Wie Kohle und Diamant sehr verschieden aussehen und dennoch beide dasselbe Element, den Kohlenstoff, darstellen, so stellen Liebe und Haß beide unsere Libido dar, obgleich sie aussehen wie Gegensätze.
Eine der kühnsten Szenen bei Shakespeare ist das Zusammentreffen Richard III. mit Lady Anna, der Witwe von Richards Opfer Edward. Sie erscheint in tiefer Trauer mit der Leiche ihres Schwiegervaters, Heinrich VI. Auch diesen hat Richard mit eigener Hand ermordet. Die Lady läßt keinen Zweifel übrig über ihren Haß gegen den Mörder. Man weiß, wie Shakespeares Königinnen fluchen können:
Ein schlimmeres Schicksal trete diesen Hund,der elend uns gemacht durch Deinen Tod,als ich kann wünschen Nattern, Spinnen, Krötenund allem giftigen Gewürm, das lebt.Hat er ein Kind je, sei es mißgeboren,verwahrlost und zu früh ans Licht gebracht,deß' greulich unnatürliche Gestalt