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Freud unterscheidet bekanntlich Aktualneurose und Psychoneurose. Das eigentliche Objekt der psychoanalytischen Forschung und Therapie ist die letztere. Die Psychoneurosen, deren Symptome körperlicher Natur sein können (z. B. hysterische Lähmungen), oder seelischer Natur (z. B. Zwangsvorstellungen) entstehen aus dem Konflikt zwischen dem Bewußten und den verdrängten Vorstellungen des Unbewußten, sie sind also seelischen Ursprungs, psychogen; die Aktu a1neurosen, deren Symptome ebenfalls körperlicher Natur sein können (z. B. Atemnot) oder seelischer Natur (z. B. Verstimmung) sind hingegen nicht psychogen, sie entstehen vielmehr aus körperlichen Ursachen, aus Störungen der Sexualfunktion, sie stellen gewissermaßen den toxischen Ausdruck dieser Störungen dar. Freud sah also in seinen ersten Arbeiten, in denen er die Aktualneurose von seinem künftigen großen Arbeitsgebiet gleichsam im vorhinein abgrenzte und abtrennte, als den Motor der Aktualneurose (z. B. der Neurasthenie) die Häufung körperlich-chemischer Sexualstoffe an. Können die Psychoneurosen nur durch das Herausholen der verdrängten Vorstellungen aus dem Unbewußten, also durch die Analyse geheilt werden, so bedarf es bei der Aktualneurose im allgemeinen nur der Beseitigung des pathogenen körperlichen Moments, also z. B. der Aufhebung der Sexualabstinenz, der Einstellung des Coitus interruptus oder der Onanie (der Erwachsenenonanie), um das Verschwinden des aktualneurotischen Symptoms zu erzielen. Wohl hat sich in den dreieinhalb Jahrzehnten, die seit der Niederschrift der Freudschen Erfahrungen über die Aktualneurose verstrichen sind, gezeigt, daß die reine Aktualneurose weitaus seltener vorkommt, als angenommen werden konnte, daß sie meistens mit psychoneurotischen Erscheinungen vermengt auftritt, und daß es sich vielfach um Psychoneurosen mit einem aktualneurotischen Kern handelt, deren Auflösung doch nur auf psycho therapeutischem Wege, auf dem Wege der Auflösung des Unbewußten möglich ist, an der sexualsomat